Vereinigte Arabische Emirate

Wüstengeflüster
Wüstengeflüster

Wüstengeflüster 1

Der tägliche Stau-Wahnsinn in Dubai
Der tägliche Stau-Wahnsinn in Dubai

Ja, wir sind zurück nach Dubai, denn da wartete sehnsüchtig unser Toyota-Wägelchen. Er war hier in einer Unterkunft, sozusagen nur geparkt. Und gemeinsam haben wir wieder einiges vor. Zuerst aber bauen wir unserer Wägelchen auf, pumpen die Räder luftig fest, ziehen die Schrauben nach, besorgen uns eine kleine Landkarte, und suchen uns aus der Stadt der Türme, der Stadt der ewigen Verkehrsstaus, einen Weg nach draußen, einen Weg Richtung Sand, Richtung Wüste, Richtung Al Ain. 

Nur ca. 125 Kilometer sind es bis zur Quelle (Al Ain bedeutet gleich Quelle) der Arabischen Emirates. Wie kommt man aber auf die Idee, von Dubai nach Al Ain zu laufen? Mit dem Auto wären es doch keine 2 Stunden. 

Erstens ist es nicht zu warm. Bei unserer Ankunft sind es nur 24 Grad (Ende Februar 2015). Zweitens Wandern wir ja recht gerne. Drittens lockt uns die Wüste ungemein. Und viertens gibt es da  ein Buch, welches ich regelrecht verschlungen habe. Einer der 7 Emire hat es geschrieben. Es handelt von der Geschichte der VAE. Dabei war für mich absolut interessant, dass die Beduinen einmal jährlich von der Küste nach Al Ain mit Karawanen unterwegs waren. Je nach Küstensiedlung brauchten sie hierfür zwischen 5 und 7 Tage. Zu dieser Zeit waren die Beduinen sehr arm. Die Reise war beschwerlich. Doch das mildere Klima und hauptsächlich die Quellen um Al Ain waren der Mühe wert. 

Ob sich unsere Mühen lohnen, wissen wir da noch nicht. Was wir aber wissen, wir können nicht den Beduinen gleich, die alten Karawanenwege nutzen, denn diese gibt es schon lange nicht mehr. Egal, wir nutzen einfach die asphaltierte Straße nach Al Ain. Langweilig wird es bestimmt nicht.

Täglich gibt es Überraschungen
Täglich gibt es Überraschungen

Wir erleben entlang der Straße eine wahre Flut von Gastfreundschaft. Täglich halten Autos an. Die Fahrer/innen und Insassen wollen wissen ob sie uns helfen können. Sie fragen uns natürlich auch aus. Woher wir sind, wohin wir wollen oder warum wir dies tun? Dies können wir dann sehr schnell auswendig herbeten. Nach 50 Stopps höre ich zu zählen auf. Bis Al Ain müssen es um die hundert sein. Jeder will uns nur Gutes. So erhalten wir das so wichtige Trinkwasser in Überfluss. Ganze Tüten voll Proviant mit Obst, Brot, Süßigkeiten und, und, und... wechselt von den Autos in unseren Toyota. Es gibt Tage, da müssen wir die Geschenke ablehnen, denn oft ist der Bauch von Toyota-Wägelchen überfüllt. Wir bekommen auch täglich Einladungen zu Übernachtungen. Wir lehnen die Übernachtungen ab, wir lehnen auch die Angebote ab, uns bis in die nächste Siedlung oder gleich nach Al Ain zu fahren. Die täglichen Unterhaltungen ''kosten'' Zeit, denn manche Gesprächspause dauert bis zu 30 Minuten. Jeder 3. Anhalter fragt sogar, braucht ihr Geld? Da wir wohlerzogene Wanderer sind, lehnen wir natürlich auch die Geldangebote ab. Doch ein Fahrer lässt sich davon nicht beirren. Er ist so begeistert von unserer Tour, dass er uns 500 Dirham (immerhin ca. 125 Euro) regelrecht aufdrängelt. Er hatte eigentlich nur gehalten, da er dachte im Toyota-Wägelchen liegt unser Baby. Dann ist er schnell begeistert, dass im Wägelchen ''nur'' unsere Wandersachen verstaut sind. Als er noch merkt, dass wir das Buch von den alten Beduzeiten in den Emirates kennen, ist er einfach nur noch glücklich. Geht in Al Ain ins Restaurant, ruft er uns zu, als er bereits Gas gibt. Der Schein liegt vor unseren Füßen. Mit 500 Dirham können wir 20 Abendessen bezahlen, murmele ich Gi zu. 

2 Rosen bekommen wir auch geschenkt
2 Rosen bekommen wir auch geschenkt

Tief gerührt sind wir von einem Autostopp der ganz anderen Art. Im Wagen sitzen drei Frauen aus dem Oman. Gi spricht sehr lange mit den jungen Frauen. Ich kann nicht alles verstehen, denn die 4 reden die ganze Zeit auf arabisch, lachen viel dabei und sind irgendwie happy. Zum Schluss der Unterhaltung bekommt Gi, und man staue, auch ich, eine Rose geschenkt.

Dazu gibt es eine Flasche Wasser. Die Rosen brauchen ja auch Wasser, wird uns gesagt. Die letzten Worte sind, wir wünschen euch viel Spaß  bei eurer Tour. Dies verstehe sogar ich, denn diese Wörter sind in unserer Landessprache. Gi muss sogleich einige Tränchen vergießen. Und ich bin auch nur noch gerührt. 

Jeden Nachmittag sind wir irgendwie geschafft. Die täglichen ca. 25 Tageswanderkilometer machen sich bemerkbar, die Unterhaltungen strengen auch irgendwie an, und die Temperaturen steigen auch täglich weiter in die Höhe. Am späten Nachmittag verlassen wir immer die Straße, schieben in Gewaltakten Toyota hinter irgendwelche Dünen.

Zeit der Entspannung
Zeit der Entspannung

So vergehen die Tage wie im Flug. An den Abenden köcheln wir auf unseren Lagerfeuern, warten auf den Sonnenuntergang, sprechen über unsere lustigen, spannenden und auch nachdenklichen Tagesbegegnungen, freuen uns auf den Mond und die Sterne und sind gespannt auf den nächsten Tagesverlauf.

Am fünften Abend, wir sind da nur noch 15 km von Al Ain entfernt, erleben wir noch etwas ganz besonderes, etwas, was zu den Wüsten auch heute noch manchmal gehört. 

Unser Gastgeber
Unser Gastgeber

 

 

Auf der Suche nach einem Lagerplatz zwischen den Dünen spricht uns ein Mann an. Was sucht ihr, möchte er von uns wissen. Einen Lagerplatz für die Nacht, geben wir zurück.

Habt ihr Essen?

Ja, wir backen uns Bedubrot.

Bedubrot könnt ihr backen? Das glaube ich nicht. Ihr könnt in meinem Beduzelt nächtigen. Dafür backen wir aber gemeinsam Bedubrot. Ich möchte nämlich sehen, ob ihr das wirklich könnt?

Einladung ins Beduzelt
Einladung ins Beduzelt
Kochstelle im Beduzelt
Kochstelle im Beduzelt

Wir willigen ein. Nur 500 Meter weiter steht sein altes Beduzelt.

Gi  knetet  sofort den Teig, lässt ihn etwas ziehen, formt die Brote meisterlich und legt sie ins Feuer.

Unser Gastgeber ist begeistert. Und wir sind begeistert von seinem alten Beduzelt.

2 Stunden erzählt er uns von den alten Zeiten. Dabei kommen wir wieder auf das Buch zu sprechen.

Wir sind uns schnell einig, die alten Zeiten hatten gute und auch schlechte Seiten. Wir sind uns aber auch schnell einig, auch die heutige Zeit ist nicht nur immer gut. 

Gi-Bedu-Brot
Gi-Bedu-Brot

Zum Schluss unserer interessanten Unterhaltung, macht er noch ein Foto vom Gi-Bedu-Brot. Er will es unbedingt seiner Familie zeigen. Da Gi ihn von ihren Backkünsten überzeugen konnte, holt er noch aus seinem Garten Gemüse.

Da ihr Brotbacken könnt, könnt ihr garantiert auch eine Gemüsesuppe kochen, sagt er, und wünscht uns danach gleich eine gute Nacht. 

Am nächsten Morgen verlassen wir das Beduzelt. Der große Kochtopf mit der Suppe steht auf der Feuerstelle. Wir selbst nehmen uns einen kleinen Topf voll mit. Wir hoffen dabei, die Suppe schmeckt unserem Gastgeber und seiner Familie.

Bevor wir von unserem Beduzelt auf Zeit, endgültig Abschied nehmen, atmen wir tief durch. Es war ein ganz besonderes Erlebnis. Hatten wir in den eigentlich so ''Modernen'' Emirates nicht erwartet.

Die Nacht im Beduzelt werden wir nie vergessen.

Nur wenige Stunden später sind wir in Al Ain. Wir suchen uns eine Unterkunft. Mit ausruhen ist nicht, denn die Laufradaufhängung von Toyota ist gebrochen. Schon 3 Tage schiebe ich das Wägelchen auf zwei Rädern. 

Toyota mit nur noch 2 Rädern
Toyota mit nur noch 2 Rädern

Ob wir eine Aluschweißwerkstatt finden, erzähle ich aber erst im nächsten Teil.

Die Zeit auf der Straße, in den Dünen und im Beduzelt in den VAE war sehr schön und absolut interessant. 

Doch jede schöne Zeit vergeht auch irgendwann.

Die Grenze zum Oman ist in Tageslaufweite erreichbar.  Wir können sie schon förmlich riechen.

 

Liebe Grüße,

 

Wi+Gi+Toyota

 

Stand: Anfang März 2015

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