Oman Teil 1

Wüstengeflüster
Wüstengeflüster

Von der VAE-Grenze bis Bahla

Toyota rollt wieder
Toyota rollt wieder

Noch in Al Ain wird unter meiner Anleitung Toyota repariert. 7 Inder helfen mir dabei. 6 schauen zu, geben sinnige oder weniger sinnige Kommentare. Nur einer hört wirklich auf meine Worte. Er soll ein Loch in die alte abgebrochene Halterung bohren, nach Möglichkeit genau dort, wo ich es angezeichnet habe. 

Eine Aluschweißwerkstatt habe ich nicht gefunden. So muss halt eine Notlösung her. Nach zehn Minuten passen wir die Halterung an. Sie passt fast genau ins Gestänge, da wo eigentlich die Fahrradhalterung Original angebracht sein würde, nämlich an der linken Toyotaseite. Ich laufe eine Runde Probe. Irgendwie klappt es überraschend gut. Ich bin happy. Was kostet es, möchte ich wissen. Sieben leere Blicke schauen mich an, was bedeutet, nichts! Ich schmeiße eine Runde Zigaretten. Es ist, wie so oft, die Zeit meiner Fragen. Woher kommt ihr? Gefällt es euch hier? Was verdient ihr? Wie lange seid ihr schon hier?

Lange Wege bis zu den Dünen
Lange Wege bis zu den Dünen

Einen Tag später erfolgt die Grenzabfertigung recht flott. So flott wie die Grenzabfertigung wird unser Weg bis Muscat aber nicht erfolgen, denn ca. 450 Wanderkilometer liegen vor uns. Wir kennen die Strecke von unserer Weltradeltour. Deshalb sind wir recht froh gelaunt, denn wir freuen uns auf einige von uns bereits bekannten Übernachtungsplätzen. Diese werden so unterschiedlich sein wie die Landschaften welche uns bis zur Hauptstadt begleiten werden. Rechter Hand sind dabei meist die Ausläufer vom Hadschar-Gebirge zu sehen. Linkerhand, zumindest auf den ersten 200 km, wellen sich die kleinen, manchmal auch größeren Dünenkämme vom Leeren Viertel (größte Wüste Arabiens). Bis Bahla gibt es in größeren Abständen nur kleinere Ortschaften, vereinzelt auch Farmen oder Beduinenlager im ewigen Sand. Da diese Plantagen, diese kleinen Ortschaften oder die Bedus natürlich Wasser brauchen, ist es für uns nie ein Problem selbst an Wasser zu kommen. Manche Tage sind dabei fast paradiesisch zu bezeichnen, denn relativ oft treffen wir auf Wasserkanäle. An einem dieser Kanäle, er führt an einer alten kleinen Moschee vorbei, verbringen wir einen besonderen Lagerplatzabend. Es gibt da nämlich eine ''Wüstenbadewanne'' für uns. Leider gibt es die nicht täglich. 

PS: Die ''Badewanne'' ist die unterirdische Kanal-Waschstelle von der Moschee. Sehr oft findet man noch solche Wasserkanal-Waschstellen im Oman. Nicht nur für Wanderer ein wahrer Segen!

Meine Seegen-Wüstenbadewanne
Meine Seegen-Wüstenbadewanne
Kochstelle beim Badewannenlagerplatz
Kochstelle beim Badewannenlagerplatz

Wenn man den ganzen Tag wandert, manchmal bis zu 40 Kilometer, dann ist man am Abend eigentlich absolut Ruhebedürftig. Mit Ruhe ist da aber erstmal nichts, denn ein idealer Lagerplatz muss gefunden werden, das Zelt aufgebaut werden und natürlich ist die Verpflegung wichtig. Gi baut immer das Zelt auf. Ich suche in der Zwischenzeit abgestorbenes Holz fürs Lagerfeuer, koche immer zuerst einen Kaffee und danach beginnen wir unser Abendbrot zu köcheln, zu braten, und irgendwie schön herzurichten, auch schön zu platzieren, denn die Augen essen immer mit. Genau wie in den Vereinigten Arabischen Emiraten, werden wir an der Strecke reichlich beschenkt. Sehr oft sind echt leckere Sachen dabei. Weintrauben, Fruchtsäfte, Datteln und vieles mehr. So fällt es uns leicht, unser jeweiliges Abendmahl sehr abwechslungsreich zu gestalten. 

Lecker, lecker ...
Lecker, lecker ...

Neben unserem Bedubrot, kochen wir auch Kartoffeln oder Nudeln, braten Zwiebeln und Gemüse, und versuchen so täglich dem Wunsch nach Abwechslung gerecht zu werden. Diese Leckereien brauchen wir auch, denn der Körper schreit förmlich nach Energiezufuhr. Gi lässt sich da immer was einfallen. Oft bin ich überrascht, was sie alles herzaubert. Mit Sonnenuntergang lösche ich dann auch gleich das Feuer. Wir fühlen uns nie unsicher, doch auch die Wüste hat Augen. Wir wollen nicht unbedingt durch den Schein unserer Lagerfeuer gesehen werden. Wir lieben zudem auch die Ruhe am Abend. 

Mit Sonnenaufgang bin ich immer bereits wach. Die Frühstücksvorbeitung ist mein täglicher Job. Ich liebe regelrecht diese Minuten, beobachte dabei den Sonnenaufgang, lausche den Vögeln, halte Ausschau nach Wolken und wecke mit einem leckeren Kaffee Gi auf. 

Ca. 1 Stunde brauchen wir immer bis zum Aufbruch. Da wissen wir noch nicht, was uns dieser Tag bringen wird. Was wir aber wissen, ist der Weg bis zur Hauptstraße nun schwierig oder nicht? Wir mussten ja am Abend vorher den gleichen Weg gehen.

Auch im Oman werden wir oft eingeladen. Nur selten nehmen wir eine Einladung an. Ali schafft es mit seiner sehr gewinnenden Art uns davon zu überzeugen sein Dorf, sein Haus und seine Gastfreundschaft zu genießen. Wir bereuen nicht.


Ali
Ali
Wäscheplatz von Alis Familie
Wäscheplatz von Alis Familie

Er zeigt uns seinen Palmengarten, seine Kühe, Ziegen, sein altes und sein neues Haus. Wir lernen fast alle Familienmitglieder beim Mittagessen (gegen 14.30 Uhr!) kennen. Es gibt köstlichen Reis mit gebratenen Zwiebeln, Hammel und reichlich Salat. Ali und seine Familie sind freudig erstaunt, dass auch wir ohne Besteck essen, sogar ohne Messer, Gabel & Löffel reichlich satt werden. Gelernt ist halt gelernt.

Natürlich beantworten wir die uns schon all bekannten Fragen.

Ali war auf Urlaub in Deutschland. So kann auch ich diesmal gezielt einige Fragen stellen. Hat es dir in Deutschland gefallen? Wo warst du? Was hat dir nicht gefallen?

Ich war in einigen Städten unterwegs, und gefallen hat mir alles, antwortet Ali.

Wirklich alles, frage ich nach.

Nach längeren hin und her, sagt er dann, 2 Sachen habe ich nicht verstanden.

Welche, bohre ich nach.

Es gibt wenig öffentliche Toiletten. Und wenn es eine gibt, muss man dafür bezahlen. Auch muss man für Trinkwasser immer bezahlen. Mir geht es nicht ums Geld. Komisch war nur, dass es für die vielen Hunde oft Schalen mit Trinkwasser in vielen Städten gab, als Mensch musst du aber bezahlen.

Die Zeit vergeht während der Stunden bei Ali wie im Flug. Wir müssen weiter, flüstere ich Gi zu. Doch, man will uns nicht lassen. Wir sollen bleiben. In 3 Tagen heiratet einer von Alis Söhnen. Wir können nicht bleiben, erklären wir. Der Weg bis Muscat ist noch weit. 


In Bahla durchschreiten wir irgendwie Stolz das neu erbaute Stadttor. Es wurde natürlich nicht extra für uns erbaut. Der Tourismus im Oman macht von Jahr zu Jahr regelrechte Sprünge. Ab Bahla Richtung Muscat merkt man dies in jeder Ortschaft. Ab hier ändert sich dann auch die Landschaft. Sandwüste wechselt in Stein- oder Geröllwüste. Auch dies hat seinen Reiz, denn die Berge vom Hadschar-Gebirge sind nun fast greifbar. Bis knapp 3000 Meter reichen sie in die Höhe. Sie erscheinen uns besonders am Abend und am Morgen in unterschiedlichsten Rottönen. Oft ein Feuerwerk der Farben.

So nehmen wir vorerst Abschied von unserem geliebten Sandkasten, verbringen die nächsten Nächte zwischen Felsen, auch in Wadis von ganz bizarrer Schönheit und genießen dabei das täglich zunehmende Grün der immer mächtiger werdenden Palmen.

Wüstenlager pur
Wüstenlager pur

Von Bahla bis zur Hauptstadt sind es nur noch gute 150 Kilometer. Wir legen einen Laufzahn zu, denn uns erreicht überraschend ein Überraschungs-Mail. 

Doch was der Inhalt der Überraschungs-Mail ist, erzähle ich erst im nächsten Teil. Was ich bereits jetzt schreiben kann, die Reparatur vom Toyotawägelchen war letztendlich keine Notlösung. Er rollt, und rollt und rollt! Auf indische Handwerker ist halt Verlass! Ich hoffe, es bleibt so!

 

Liebe Grüße,

 

Wi+Gi+Toyota  / Stand: Mitte März 2015

 

 

Buch - Abgelatscht

Abgelatscht - 5740 Wanderkilometer durch 11 Länder - Wi + Gi Hofmann
Abgelatscht - 5740 Wanderkilometer durch 11 Länder - Wi + Gi Hofmann

Buch - Grenzenlos

Grenzenlos  -  Mit dem Fahrrad 4 Jahre um die Welt - Wi + Gi Hofmann
Grenzenlos - Mit dem Fahrrad 4 Jahre um die Welt - Wi + Gi Hofmann
Mit Wägelchen 11 Länder - 5.740 km
Mit Wägelchen 11 Länder - 5.740 km
Oman Fischer
Oman Fischer
Oman/Jemen Leeres Viertel
Oman/Jemen Leeres Viertel
Tempelbaumblüten
Tempelbaumblüten
Afrika - Strahlende Kinderaugen
Afrika - Strahlende Kinderaugen
Indien Taj Mahal
Indien Taj Mahal
Iran
Iran
Mit der Enfield durch Indien
Mit der Enfield durch Indien
Mein Steg, mein Strand, mein Meer
Mein Steg, mein Strand, mein Meer
Kurdische Lebenslinien - Iran
Kurdische Lebenslinien - Iran
Mondsichelstürmer
Mondsichelstürmer
Spiegelung
Spiegelung
Die Sonnenfängerin
Die Sonnenfängerin
Wanderung Neuseeland
Wanderung Neuseeland
Beim Straßenzahnarzt in Indien
Beim Straßenzahnarzt in Indien
Kappadokien
Kappadokien
"Leeres Viertel"
"Leeres Viertel"
Hahn im Korb - Oman
Hahn im Korb - Oman
Neuseeland
Neuseeland
Australien
Australien
Indien
Indien