Oman Teil 3

Abendstimmung
Abendstimmung

Besuch in Salalah 

Besuch hat sich angekündigt. Sabine und Jürgen (Gis Cousin) warten in Salalah auf uns. Natürlich beeilen wir uns, denn wir wollen meinen 60. Geburtstag dort gemeinsam feiern. Schon während unserer Weltradeltour haben uns die 2 in fernen Ländern 3 x besucht. Somit ist dieser überraschende Besuch schon irgendwie die weitere Folge einer fast Besuchsnormalität. 

Doch der Weg von Muscat bis Sahlalah ist weit (gute 1000 km), und zudem locken viele schöne Wüstenlandschaften im ''Leeren Viertel'' am Wegesrand. Somit sind herrliche Übernachtungsplätze vorprogrammiert. Auf halber Strecke gibt es einen ganz besonderen. Dünen wie aus dem Bilderbuch wollen da erkundet werden.

Platz gefunden, rufe ich Gi zu.

Das Problem ist immer, wie kommen wir mit dem Auto bis an die Dünen, denn wir haben keinen 4x4. Also ist auch oft das Wüsten-Risiko einzuplanen.

Lagerplatz gefunden
Lagerplatz gefunden

Nur 15 Meter weiter steht unser Zelt. Ich bin wieder happy. Das Risiko hat sich fast gelohnt. Nur kurz war unser Auto am absinken. Zum Glück habe ich es sofort gespürt. Nur um die 2 Stunden musste ich graben.

Gi behauptet, ich finde die Plätze nur, weil ich einen Bedu- Omankittel trage. In Wirklichkeit kleidet er mich, weil es sehr, sehr warm ist, und solch kein Kittel für Luftzug sorgt. Zum Glück auch, denn neben der allgemeinen Hitze hilft er mir auch sehr gut beim Autofahren, denn unsere Klimaanlage im Auto ist gestorben. Ihr war garantiert auch die Hitze zuviel.

Stunde der Besinnung
Stunde der Besinnung

An solchen Plätzen genießen wir die Abendstunden immer ganz besonders. Wenn die Sonne am Horizont wie ein Feuerball abtaucht, sinken die Temperaturen auf ein fast erträgliches Niveau. Nur knapp über 30 Grad müssen es dann sein. Ich spreche da nur von mir, denn Gi verträgt unglaub-lich viel Hitze. 

Ich muss mir was überziehen, es wird langsam frisch, höre ich dann oft.

Was wir gemeinsam genießen, ist die absolute Wüstenruhe. Wir spüren sie in unseren Ohren, im Kopf, im Geist. Es sind immer die Stunden der Besinnung.

Morgennebel
Morgennebel

Oft erleben wir in Wüsten überraschendes. Besonders sind wir von den manchmal aufziehenden Morgennebeln fasziniert. Nur wenn die Winde dafür günstig sind, also vom fernen Meer her wehen, ist diese Geisterstunde erlebbar. Alles ist dann feucht. Es ist dann auch immer schwierig, ein kleines Feuerchen für den Morgen-kaffee zu entfachen. Doch da gebe ich nie auf, denn mein Kaffee gibt mir doch immer viel Kraft für den folgenden Tag.

Was uns dabei auch immer bewusst wird, zum Glück gibt es diese feuchten Winde, denn nur so kann das wenige Wüsten-leben weiter überleben.

An diesem Wüstenmorgen habe ich Mühe das Auto zur Hauptstraße zu lenken. Ca. 5 Kilometer flitze ich über den feuchten, weichen Sand. Die richtige Richtung versuche ich zu erahnen. Meine Autospur vom Abend vorher ist wie von Geisterhand verschwunden. Genau diese wollte ich zurück nehmen. Doch die Wüstengeister sind uns wohl gesonnen. Nach kritischen Minuten, zum Glück ohne versinken, erreichen wir den Asphalt. Wir sind den Geistern dankbar.

Kahlschlag in Salalah
Kahlschlag in Salalah

Die Geister welche die Altstadt von Salalah vernichten, und dies auf unglaublich weiter Fläche, können wir leider nicht verstehen. Wir trauen unseren Augen nicht, als wir den Abrissflächenbrand bei unserer Ankunft sehen. Unglaubliches geschieht hier. 

Sehr gerne waren wir in früheren Zeiten zwischen den engen Gassen, verwinkelten Häusern, kleinen Plätzen und, und ... dort unterwegs. Oman-typisch soll hier ein Touristengebiet der Superlative entstehen, leider. Ich glaube, die Omanis begehen hier einen großen Fehler, denn nur Supermodern nimmt den Oman seine eigentliche Seele. 

 

Unser Leuchthotel
Unser Leuchthotel

Hochpreisiger Tourismus soll die heilige Zukunfts-Kuh im Oman werden. Somit ist es auch jetzt schon schwierig ein preisgünstiges Hotel in Salalah zu finden. Außerhalb vom eigentlichen Salalah-Centrum, und Salalah ist echt sehr groß, findet man mit Ausdauer noch das eine oder andere sympathische, kuschelige, althergebrachte Hotel. Da kann dann auch noch der Preis sympathisch sein. Das wie ein Weihnachtsbaum beleuchtete Al Nile wird für Tage sozusagen unser Salalahpreiswertbasis-lager, denn für die Salalahzeit wollen wir nicht in unserem geliebten Zelt schlafen. Tagesausflüge sind geplant. Dies ist sinnig, denn in der Dohfarregion gibt es unglaublich viel zu erkunden.

Beim ersten Treffen mit unserem Besuch aus Old - Germany in Salalah überschlagen sich die Sätze, die Erzählungen und auch die Berichte von der Heimatfront.

Für die Ausflüge hat jeder so seine Gedanken. Jeder möchte was bestimmtes sehen, erleben. Ich notiere die Schlagwörter im Kopf, sortiere, plane und übernehme somit fast zwangsweise die Reiseleitung der nächsten gemeinsamen Tage. 

Viele schmackhafte Sachen haben uns Sabine und Jürgen mitgebracht. Kaffee, Nussschokolade und man staune, echte Thüringer Rostbratwürste. Ich bin mir dabei nicht sicher, ob die wirklich die weite Reise ohne Probleme überstanden haben. Deswegen verpflichte ich als Reiseleiter Jürgen zum Vorkoster. Ich glaube, am folgenden Jürgen-Vorkoster-Foto ist die Unbedenklichkeit zum Thüringer Rostbratwurstverzehr unschwer erkennbar. Sie waren wirklich einfach köstlich. 

Vorkoster
Vorkoster

Nach dem Verzehr wurde mir klar, als Reiseleiter darf ich nun absolut nicht versagen, denn ich muss nun sehr, sehr viel zurückgeben.

8 Tage sind wir unterwegs. Dies geschieht teilweise sehr flott, denn Jürgen ist für diese Zeit stolzer Besitzer eines 4x4 - Superwagens, also absolut Wüstentauglich, absolut Pistentauglich. Ich gebe immer nur die Richtung vor, das Tagesziel vor, und Jürgen meistert das Gefährt Formel 1 würdig.

So verbringen wir glückliche Tage in und um Salalah. Fast alle Quellen besuchen wir, picknicken an traumhaften Stränden, erleben Sonnenuntergänge der besonderen Art, schwimmen im glasklaren Meer, finden Flintsteine in der Wüste, schauen von hohen Bergen in immergrüne Wadis, erspähen Echsen und die omanischen Gazellen, backen Bedubrot als Zugabe für die Hühnchenschenkel oder Hühnerleber, nippen am mitgebrachten Braunen (Schnäpschen), besuchen Höhlen und Grotten, beobachten Schildkröten, und erleben doch noch viel mehr, denn der Reiseleiter hat irgendwie Glück, Glück welches man braucht um auch andere glücklich zu machen, denn es gibt da regelrecht einige Glückshammer.

Einladung zum Essen
Einladung zum Essen

 

Dank Gis Sprachen-Talent kommen wir oft mit Bedus zusam-men. Wir bewundern ihre Kamele und besonders ihre Gast-freundschaft. Immer wird uns Essen ange-boten, auch Kamel-milch gereicht und so bleiben sinnige& in-formative Gespräche nicht aus. 

Wüste bei Al Hashman
Wüste bei Al Hashman

 

Wir fahren bis zu den großen Dünen im Länder-dreieck Oman, Jemen, Saudi Arabien. Dort bleiben wir sogar eine Nacht. Das Problem dabei, Jürgen benötigt für sein medizi-nisches Gerät in der Nacht unbedingt Strom. Wir verhandeln mit den Bedus. Es klappt. Wir dürfen für eine Nacht eines der Beduhäuser beziehen. Da gibt es den so wichtigen Strom. Wir sind nur noch happy. Kein Wunder bei diesen Bilderbuchwüsten-bildern.

Bilderbuchwüstenbild 1
Bilderbuchwüstenbild 1

Wir bekommen nicht genug vom Sand, von den Dünen, der Oase von Al Hashman. Die Oase selbst ist eine Quelle des Lebens. Im vielen grün gurren die Tauben, schleichen Katzen umher und es soll auch Skorpione und Schlangen geben.

Bilderbuchwüstenbild 2 Oase Al Hashman
Bilderbuchwüstenbild 2 Oase Al Hashman

Auf der Rückfahrt sehen wir die uns wohlgesonnen Wüstengeister. Es sind die Dschinns (arb. gleich Geist). Gi will unbedingt ins Geist-Centrum vordringen, rennt und rennt, verliert dabei ihre Latschen, verbrennt sich die Fußsohlen im heißen Sand, doch egal, sie spürt den Dschinn, sie spürt seine Zauberkraft.

Gi spürt die Dschinn - Zauberkraft
Gi spürt die Dschinn - Zauberkraft
Wir staunen nur noch
Wir staunen nur noch

Sabine wollte unbedingt Delfine sehen. Viele haben wir gesehen, doch immer von weit weg. Am vorletzten Tag geschah dann wunderbares. In einer lieblichen Bucht sehen wir Delfine recht nah am Ufer. Geht rein, so eine Möglichkeit kommt nicht mehr, sagt Gi. 

Also rennen wir fast rein, sind gespannt wie die kleinen Kinder. Die Delfine umkreisen uns kurz, verschwinden recht schnell, doch da kommt mir eine Idee. Wir patschen und klatschen in die Hände. Sie hören es, kommen zurück, schwimmen auf uns zu, umkreisen uns und die ersehnte Einheit lässt nicht auf sich warten. Die Glücksgefühle nehmen Besitz von uns. 

 

Jede Zeit geht zu Ende. Auch unsere glücklichen Tage huschen sehr schnell. Wir sind uns jedoch einig. Wir hatten eine ganz besondere Zeit. 

 

Sabine und Jürgen fliegen zurück nach Deutschland. Wir besteigen unser Auto. Weitere 1000 Kilometer zurück nach Muscat liegen vor uns. Wie unsere Tour weitergeht, erzähle ich aber erst im nächsten Teil.

 

Liebe Grüße,

von Wi+Gi                                 Stand: Ende März 2015

 

 

Strandläuferin
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Abgelatscht - 5740 Wanderkilometer durch 11 Länder - Wi + Gi Hofmann
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Grenzenlos  -  Mit dem Fahrrad 4 Jahre um die Welt - Wi + Gi Hofmann
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Oman Fischer
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