Oman Teil 4

Zurück nach Muscat

Wir nehmen gedanklich Abschied von den omanischen Wüsten. Wir lieben sie ja so sehr! Auf dem Weg nach Muscat erblicken wir aber noch so manchen Sandspielplatz, sogar manchmal mit grünem Vorgarten. So fällt der Abschied weit weniger schwer.

Sandspielplatz mit grünem Vorgarten
Sandspielplatz mit grünem Vorgarten
Höhenrausch - 1000 Meter tiefer liegt die Wadi - Schlucht
Höhenrausch - 1000 Meter tiefer liegt die Wadi - Schlucht

Der Oman hat zum Glück aber viel weiteres zu bieten. Entlang der Ostküste zieht sich ja das schöne Hadschar- Gebirge (Stein-Gebirge). Der Jabal Shams ist mit 3005 Meter dabei der höchste Gipfel. In dieser Steinbergwelt verbringen wir einige Tage. Als wir zu Fuß von Al Ain bis Muscat unterwegs waren, sahen wir die vielen großen ,,Steine'' immer links von uns. Dieses Mal wollen wir unbedingt rauf, rauf auf 3000 Meter. Keine Kunst, denken wir, denn wir haben ja das Auto.

Rauf fahren wir dann über viele Schotterpisten. Manche Steigung hat 16 Prozent. Unser betagter Toyota stöhnt meistens. Doch plötzlich sagt er gar nichts mehr. Er bleibt einfach stehen, streikt. Oh mein Gott, denke ich, wird doch nicht der Motor sein?

Erst nach einer guten Stunde kommt ein Auto vorbei. Im Wagen sitzt ein Engländer mit seiner Frau. Er holt sofort das Überbrückungskabel für die Batterie aus seinem 4x4 um unseren Motor wieder zu starten. Nur kurz heult er wirklich auf. Unsere Batterie ist sozusagen gestorben. Wir brauchen eine neue, behauptet der Engländer. 

Wir staunen, denn der Engländer erklärt sich bereit, uns weiterhin zu helfen. Er bringt nur erst seine Frau rauf ins Berghotel.

150 km schaukelt er uns dann durch die wilde Bergwelt, dabei immer auf der Suche nach einer neuen Batterie. Tatsächlich bekommen wir eine Ersatzbatterie in einem kleinen Geschäft. Nach über 4 Stunden bauen wir die Batterie ein. Und das schönste, es lag wirklich nur an der Batterie. Der Wagen röchelt wieder. Ich nehme den Engländer ganz fest in die Arme, drücke ihn mächtig, und sage ihm, du bist der netteste Engländer welchen wir auf all unseren Touren bisher getroffen haben. Er lächelt und sagt, wenn man Jahre in Arabien wohnt (er und seine Frau sind Lehrer in Katar), dann ist Hilfe für andere nichts mehr Besonderes. Es war mir ein Bedürfnis.

 

Was gibt es denn da zu sehen?
Was gibt es denn da zu sehen?

Die nächsten Tage vergehen ohne Autorepara-turstress. Wir unternehmen Wanderungen durch die hübsche Bergwelt, genie-ßen die Aussichten, such-en uns am Abend einen Lagerplatz und freuen uns schon da auf den nächsten Morgen.

Bei den Wanderungen ist Gi sozusagen unser Kompass, denn sie legt fest was machbar ist, was sich lohnen wird. 

Und vieles lohnt sich wirklich, denn die Blicke von den Felsen, runter zu den Wadis, sind atem-beraubend schön.

Raffinierte Wasserwege
Raffinierte Wasserwege

Sehr schön sind da meist auch die Wasserkanäle erkennbar. Wie Adern durchziehen sie die Wadis. Ich frage mich dann immer, wer hat die erbaut, zu welcher Zeit wurde diese mühevolle Arbeit getan?

Nur durch diese sinnigen Kanäle ist ein sinniges Leben in dieser Bergwelt möglich. Heute kümmern sich um die Wasserkanäle und die Plantagen meist rührige Inder, Pakistani oder Bengalen. Sie sagen uns, hier ist es fast wie in unserer Heimat, viel grün, nicht gar so heiß und kein ewiger Sand. Dabei lächeln sie immer.

Nicht so heiß stimmt, denn wir erleben nach heißen Wochen recht angenehme Bergwelt-Temperaturen. Angenehm hauptsächlich für mich, denn Gi fröstelt nämlich fast jede Nacht. Es sind ja da auch nur um die 20 Grad in der Nacht. Deswegen mag sie Früh auch nicht aufstehen bevor die Sonne ihre ersten kräftigen Strahlen schickt. 

Mein Job ist immer der Morgenkaffee, echt knallharter Job
Mein Job ist immer der Morgenkaffee, echt knallharter Job

Ich habe da immer viel Zeit das Frühstück zu bereiten. Erst wenn der Kaffee lecker riecht, öffnet Gi die Äuglein.

Oft haben wir Besuch
Oft haben wir Besuch

 

Bei unseren Lagern sind wir nie so richtig alleine. Regelmäßig besuchen, besser geschrieben, bestürmen uns die Bergziegen. Sie sind ständig auf Speisen aus. Wir geben ihnen immer unsere Reste. Dies reicht ihnen nicht. Also schauen sie in unsere Pfanne, in unsere Tüten und fressen sogar meine Zigaretten. Da ist dann natürlich lustig vorbei. Wir verscheuchen die Vielfresser. Doch nur wenige Minuten später beginnt das Spiel erneut. Das hat man nun von seiner Gastfreundschaft.

An einem Vormittag erleben wir wunder-bares. Gi schaut von einer Anhöhe 1000 Meter runter in eine Wadi-Schlucht (3. Bild oben). Ich knipse sie dabei aus weiter Entfernung. Plötzlich sehe ich zwei große Vögel in den Auf-winden kreisen. Natür-lich halte ich sofort drauf. 6 Bilder werden gespeichert. Erst am Abend sehe ich dann das Geier-Mondsichel-Bild. Auch wenn es nicht 100 Prozent scharf ist, so bin ich doch überwältigt, denn die Mondsichel hatte ich am Vormittag selbst nicht gesehen. Glück muss man halt auch haben! Übrigens ist es ein Schmutzgeier (hat mir ein Freund geschrieben). Die werden wirklich echt groß und sind in den arabischen Bergen (Oman, Jemen, besonders Insel Sokotra) relativ oft erlebbar. Natürlich gibt es dabei keinerlei Mondsichelgarantie.

Wasserspiele
Wasserspiele

In dieser Hadscha-Gebirgswelt herrscht viel Ruhe. Nur an wenigen Stellen stellt sich ganz normales Leben ein. Diese Stellen sind natürlich Wasserstellen, denn nur dort fühlen sich die meisten Menschen wirklich wohl. Oft besu-chen wir solch eine Oasenwasserstelle, denn dort kann man ordentlich baden und natürlich bis zum abwinken picknicken.

Einige dieser Oasen-quellen sind sogar heiße Quellen.

Diese lieben wir ganz besonders. Allerdings sollte man all die Quellen nicht unbedingt am Freitag (ist sozusagen der Sonntag im Oman) besuchen, denn da wimmelt es von Menschen. Auf der anderen Seite erlebt man aber so das Völkergemisch im Oman hautnah, und dies hat auch seinen Reiz.   

Heiße Quellen sind beliebt
Heiße Quellen sind beliebt

Bevor wir zurück nach Muscat fahren, geben auch wir uns all den Freitag-Besucher-Reizen hin. Es ist eine bunte Welt, ein Mikrokosmos der Gerüche, der Farben und Sprachen. 

 

In Muscat holt uns dann der Alltag ein, denn wir müssen einiges organisieren. Es geht dabei um Visas, um Fährverbindungen und, und .... Manche Bürokratiehürden sind hoch. Zudem braucht auch unser Toyota-Wägelchen einiges an Pflege und Liebkosungen, denn er soll ja wieder mit uns rollen. Doch wie unsere Tour letztendlich weiter gehen wird, erzähle ich erst im nächsten Bericht.

 

Bis dahin,

liebe Grüße,

Wi + Gi                       Stand: Anfang April 2015

 

Auch sie lieben die Wüsten - Omanechse
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Abgelatscht - 5740 Wanderkilometer durch 11 Länder - Wi + Gi Hofmann
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