Muscat - Musandam - VAE

Wir ziehen weiter
Wir ziehen weiter

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Erlebnis der besonderen Art - Gi kann da noch lachen
Erlebnis der besonderen Art - Gi kann da noch lachen

Zwischen den organisatorischen Dingen bleibt in Muscat natürlich auch noch etwas Zeit für Erlebnisse der besonderen Art. Eines davon ist ein skurriler Kinobesuch im Ortsteil Ruwi (großes indisches Viertel in Muscat). Die Inder sind ja absolute Kinofreunde. Da es sehr, sehr, sehr viele Inder in Muscat gibt, gibt es fast zwangsweise auch viele Kinos mit indischen Filmen und somit mit absolut vielen indischen Kinobe-suchern.

Vor vielen Jahren, während unserer Weltradeltour, waren wir für ca. 10 Minuten in Indien, in irgendeiner Stadt, in einem Kino. Warum nur 10 Minuten? Es war uns zu laut. Und die Moskitos dachten da, wir wären die Hauptmahlzeit. 

Dieses Mal bleiben wir von Moskitos verschont, doch die Lautstärke erreicht ebensolche Spitzenwerte. Wir halten uns teilweise die Ohren zu. Das Kino bebt, unsere Sitze beben, doch die indischen Kinobesucher sind außer Rand und Band. Es läuft ein indischer Horrorfilm (Filmtitel: Kanchana). Wir wussten nicht, was da auf uns zukommt.

Ab 18 Jahren ist der Film erlaubt. Die Massen toben, die Babys brüllen, die Kinder krallen sich an ihren Eltern fest. Damit ist nicht der Filminhalt gemeint, die Kino-Besucher vom Baby bis zur Großmutter, leben ihre indischen Brüll-Gene aus. Zwischen Bewunderung und totaler Abneigung schwelgen wir hin und her. Dazwischen versuchen wir den Filminhalt irgendwie zu verstehen, denn neben dem Gebrülle fliest hauptsächlich viel Blut von der Leinwand.  Und immer wenn der Filmheld etwas ganz besonders gutes tut, schlagen wir instinktiv unsere Hände über unsere Ohren, denn wahre Klatschorgien, wahre Brüllorgien durchdringen ohne Gnade unsere Gehörgänge.

Zum Schluss sind wir trotzdem irgendwie Stolz, denn wir hauen nicht früher ab, wir flüchten nicht, wir halten einfach durch, genießen, bewundern, verteufeln, bemitleiden und bestaunen all diese indischen Besucher. Nur wir 2 sind keine Inder. Ach ja, es gibt doch noch einen Ausländer im Saal. Der Kartenabreißer ist Omani. Er erklärt uns zum Schluss, den Job kann er nicht mehr lange durchhalten. Hier im Saal erlebt er täglich Klein-Indien. Das hält einfach keiner lange aus, sagt er, und brüllt uns all seine sinnigen Sätze um die Ohren.

 

Dann kommt endlich der Tag. Wir haben die Visa für den Iran. Iranvisa ist leider ein komplizierter Prozess, besonders wenn man ganz privat in den Iran einreisen möchte. Egal, die Wartetage sind verstrichen. Als nächstes kümmern wir uns um Fährtickets nach Musandam. Dieses kleine Halbinsel-Gebiet gehört zum Oman, hat aber keine Grenze mit dem Mutterland. Die Fähre soll uns nach Khasab bringen. Dies ist der Hauptort von der Halbinsel. Von da aus wollen wir zurück bis Dubai laufen (ca. 165 Wanderkilometer), denn von dort gibt es eine weitere Fähre in den Iran.

 

Der Abschied von Muscat fällt uns schwer, dies natürlich nicht unbedingt wegen dem indischen Kino, doch so manchen Stadtteil von Muscat werden wir einfach nicht vergessen.

Abschied von Muscat
Abschied von Muscat
Dhau im Hafen von Muscat
Dhau im Hafen von Muscat

Leider schippern wir nicht mit einer Dhau zum Hauptort von Musandam. Ein supermoderner Kata-maran bringt uns in nur 5 Stunden bis Khasab.

Die Halbinsel schiebt sich weit in die berühmt, berüchtigte Straße von Hormuz. 

Da wir erst kurz vor Sonnenuntergang in Khasab anlegen, die Hotels dort sündhaft teuer sind, verlassen wir Khasab sehr flott auf der einzigen Verbindungsstra-ße Richtung VAE. 

Unser Toyota-Wägelchen rollt somit nach längerer Zeit wieder. 

Bis zur eigentlichen Gren-ze sind es nur gute 40 Kilometer. Wir lassen uns dafür 3 Tage Zeit, denn die Landschaft von Musandam ist irgendwie surreal berauschend. Kahle Berge, vorgelagerte Inseln, Buchten und Fjorde erzeugen den Sinnesrausch. Die Straße führt meist direkt am Meer entlang. Nur zu Beginn gibt es einen recht kurzen, dafür aber sehr steilen Anstieg. Dieser bringt uns ordentlich zum schwitzen. 

Schwitzkilometer auf Musandam
Schwitzkilometer auf Musandam

Dafür werden wir aber in all den anderen Musandamstunden ordentlich belohnt, denn wir finden schöne Übernachtungsplätze. Auch wenn Musandam sehr gering besiedelt ist, so sind wir doch nie lange alleine. Immer kommt jemand zu unseren Schlafplätzen, fragt ob er uns helfen kann, ob wir Wasser oder anderes brauchen. Omantypisch ist auch auf Musandam die Gastfreundschaft.

Neben den nur positiven menschlichen Begegnungen, gibt es auch wieder Begegnungen mit der Natur. An einem Morgen kommen plötzlich vom Horizont, fast räuberartig, tausende Seevögel in eine weite Bucht. Wir hören den Federschlag, das Eintauchen. Jeder dieser Fischräuber schnappt sich schnell einige Fischchen, putzt die hurtig runter und bereitet sogleich die Flucht vor. Nach nur wenigen Minuten sind die Fischräuber am Horizont verschwunden.

In den wenigen Wadibäumen hören wir oft Gezwitscher. Wenn wir dann endlich die oft sehr kleinen Vögel erspäht haben, kommen wir aus dem staunen nicht heraus, denn es sind meist sehr, sehr farbenfreudige Gesellen.

An den Wandertagen entlang der Küstenstraße verfolgt uns auch täglich die Polizei. Es hat sich per Polizeifunk herumgesprochen, dass hier zwei komische, wagenschiebende Ausländer unterwegs sind. Auch sie fragen immer, braucht ihr etwas? Trinkwasser können wir an der Strecke immer gebrauchen, denn es gibt nur wenige Moscheen an der Strecke an denen wir sonst immer unser Wasser auffüllen. Also sagen wir immer, wir könnten Wasser gebrauchen. Dies ist für unsere Helfer dann das Schlagwort, denn nun können sie uns wirklich helfen. Nach 10 Minuten, nach 20 Minuten oder erst nach einer halben Stunde kommen sie zurück, überreichen uns freudestrahlend Plastiktüten gefüllt mit Wasserflaschen, und das herrliche dabei, immer sind auch irgendwelche Leckereien in den Tüten. Dies hebt für uns den Spannungsbereich gewaltig, denn wir rätseln immer vorher, was kommt denn mit dem nächsten Wassertransport an zusätzlichen Leckerli. 

Eine Autowasserbringbesatzung vergessen wir nie, denn nach dem Schlagwort Wasser, springen sie regelrecht in ihr Gefährt, schalten ihr Blaulicht an, rasen davon. Als wir sie später am Horizont erneut erblicken, das Blaulicht ist wie bei einem Notfall noch immer eingeschaltet, wissen wir, gleich gibt es wieder frisches Wasser und Überraschungsleckereien. 

Dein Freund und Helfer
Dein Freund und Helfer

Erst an der Grenze zu den VAE legt sich etwas die Freude, denn die Grenzbeamten von den Emirates benehmen sich merkwürdig. Sie behalten gute 2 Stunden unsere Pässe, lassen uns warten. Andere Reisende benötigen nur 5 Minuten. Wir müssen einen Fragebogen mit vielen komischen Fragen ausfüllen. Wir vermuten, es liegt an unserem Iranvisa und an unseren alten Jemenstempeln. Im Jemen herrscht leider seit einigen Wochen Krieg. Die Lager dazu sind auf der arabischen Halbinsel geteilt. Der Jemen und der Iran gehören nicht zu den Freunden von den VAE. 

 

Egal, nach den Stempeln rollt Toyota-Wägelchen weiter. Die Landschaft ändert sich. Die Berge werden kleiner, die Städte größer und jeden Tag nimmt der Verkehr zu.  

An der Strecke Richtung Dubai gibt es viel Abwechslung, Abwechslung der echt touristischen Art. Die VAE setzen ja voll auf Tourismus, Tourismus mit Superlative. So staunen wir an der Eiswelt, vergnügen uns kurz mit dem Schneemann. Der hat Glück, denn er wird nicht schmelzen. Wir selbst schmelzen fast dahin. Kein Wunder bei knapp 40 Grad.

Eisland in den VAE
Eisland in den VAE
Wüstensohn auf Eis
Wüstensohn auf Eis

 

 

Also rein in den nächsten Eiskanal. Ich bin da richtig happy, nicht wegen der angenehmen Kühle, der Wüstensohn auf Schlittschuhen haut mich fast vom Sockel. 

Der dreht Runden vom feinsten, legt Sprünge hin ohne Sturz (wirklich ohne Sturz!). Sein Kittel flattert dabei echt gefährlich. Der Junge hat es voll drauf.

Ich sage ihm, du könntest glatt mit Katherina Witt als Pärchen auftreten. Er lächelt.

Ist schon lange mein Hobby, erzählt er mir.

Wir können nicht ewig im Eispalast bleiben, müssen weiter laufen, weiter bis zu den ganz großen Häusern.

In den Wolkenkratzerschluchten
In den Wolkenkratzerschluchten

 

Wir laufen durch viele Häuserschluchten. Bestaunen all diesen Wahnsinn.

Dabei spüre ich nach den 165 Wanderkilometern von Musa-dam bis zu den Wolkenkratzern echt meine Waden. Der arabische Wander-Kilometer-Kreis schließt sich.

Gi, rufe ich, meine Waden platzen gleich.

Welche Waden meinst du denn, gibt Gi zurück. Du hast doch Storchenbeine, von Waden kei-ne Spur, setzt sie gnadenlos nach.

Ich denke da nur noch, falsch, denn meine Wädchen empfinde ich da gerade wie volle Ölfässer, halt wirklich kurz vorm platzen.

Uns bleibt noch etwas Zeit zwischen den Wolkenkratzern. Die Fähre in den Iran schippert erst in 2 Tagen. 

So genießen wir die skurrilen Bauten, die grünen Parks, das Essen aus aller Welt und finden auch noch, etwas abseits der Wolkenkratzer, die verloren wirkenden Fischer. Wir hoffen, in der Zukunft bleibt weiterhin noch etwas Platz für die Fischer.

 

Köstlicher Fisch!
Köstlicher Fisch!

Mit der Fähre verlassen wir die Arabische Halbinsel. Es war eine gute Zeit. 

Was uns der Iran an Erlebnissen bringen wird, erzähle ich im nächsten Teil. Dies kann etwas dauern, denn im Iran soll das Internet recht rustikal sein.

 

Bis dahin,

liebe Grüße, Wi + Gi + Toyota

 

Stand: Ende April 2015

 

Wanderkilometer bisher:

 

ca. 3.570 km 

Buch - Abgelatscht

Abgelatscht - 5740 Wanderkilometer durch 11 Länder - Wi + Gi Hofmann
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Buch - Grenzenlos

Grenzenlos  -  Mit dem Fahrrad 4 Jahre um die Welt - Wi + Gi Hofmann
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Mit Wägelchen 11 Länder - 5.740 km
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Oman Fischer
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Oman/Jemen Leeres Viertel
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Afrika - Strahlende Kinderaugen
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Indien Taj Mahal
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Iran
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Mit der Enfield durch Indien
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Kurdische Lebenslinien - Iran
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Spiegelung
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Wanderung Neuseeland
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Weg in den Nebel
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