Oman

Wüste, Berge, Meer und etwas mehr

Wir lieben die Wüste
Wir lieben die Wüste

Die Trennung von den Kiwi-Enkelinnen ist nicht einfach. Der Abschied fällt jedoch etwas leichter, da unser nächstes Reiseland der Oman ist. Das wir den Oman sehr mögen, ist kein Geheimnis. Und einige Berichte über dieses prima Reiseland habe ich ja schon geschrieben. Deshalb möchte ich auch nicht mit bereits bekannten langweilen. Das schöne ist jedoch, jede weitere Tour durch das faszinierende Land eröffnet neue ungeahnte Einsichten.

Wir mieten uns einen Kleinwagen. Somit können wir flott die uns bereits bekannten Lieblingsplätze und auch neue Übernachtungsplätze ansteu-ern. Die ersten Tage verbringen wir sozusagen im Sand. Dies ist wie immer der Oman-  Lieblingsspielplatz von Gi. Sie behauptet nämlich da jedesmal, hier wäre es am einfachsten ungestört die Sonne einzufangen.

 

Sonneneinfängerin
Sonneneinfängerin

Hierfür rauschen wir ins Länderdreieck vom Oman, Saudi Arabien und Jemen. Dort gibt es die höchsten Sanddünen, die schönsten Sandfarben, die herrlichsten Sonnenuntergänge, und pro Quadrat- Sandkilometer die wenigsten Menschen. Ungefähr 0,1 dürften es sein.

Diese menschliche ,,Leere‘‘  im ‘‘Leeren Viertel‘‘ (die große Wüste auf der Arabischen Halbinsel), stört uns natürlich nicht.  Täglich wechseln wir den Übernachtungsplatz. Dafür laufen wir, um die für uns romantischten zu entdecken, oft viele Kilometer durch und über Sand.

Durch und über Sand
Durch und über Sand

Haben wir einen Platz erspäht (zumeist erspäht Gi), versuche ich das Auto bis zur Sandburg zu steuern. Dies ist meist nicht einfach, denn Allrad hat die Karre nicht. Schaffe ich es nicht, so tragen wir halt unseren Haushalt zum verwunschenen Sandspielplatz. Wir haben ja Zeit!

Wir haben ja Zeit
Wir haben ja Zeit

Zwischen all den Sandburgen schlängeln sich auch vereinzelt Wadis durch den ewigen Sand. Es sind die modernen Verbindungswege für die Beduinen. Man erkennt diese Verbindungswege spielend an den Autospuren. Nur noch sehr selten sieht man Beduinen mit Kamelen umherziehen. Autos (mit Allrad) ersetzen die schönen Wüstentiere. Auch in manchen dieser Wadis übernachten wir.

 

Dort ist die Wüstenvielfalt besonders schön, denn, wenn auch sehr selten, sammelt sich hier das Regenwasser (oft nur alle paar Jahre). Dieser seltene Lebenssaft genügt so mancher Pflanze und auch manchem Tier um ihr Wüstenleben irgendwie ehrenhaft zu überleben. Die Wüste ist keine Einöde. 

Wüstenmäuse, Skorpione, Schlangen, Wüstenhasen, Skarabäus und auch Geckos scheinen, genau wie wir, die Wüsten zu lieben. Natürlich sind sie sehr gut angepasst. Ob bei Tag im Sand verbuddeln oder einfach nur große Ohren besitzen, jedes Tier hat so seinen Überlebenstrick. 

Zugegeben, diese Wüstentiere zu entdecken, zu bestaunen und somit auch irgendwie ihr Wüstenleben zu verstehen, verlangt Geduld, verlangt viel Zeit und verlangt auch Glück, denn nicht auf jedem Sandkorn sitzt ein Wüstentier. 

 

So manches Wüstentier können wir jedoch sehen. Meist ist es in der Nacht, denn die Nacht bringt die notwendige Kühle. Erst da wird es in der Wüste lebendig. In einem dieser Wadis passiert in der Nacht dann Sonderbares.

In der Nacht passiert sonderbares
In der Nacht passiert sonderbares

Wenn ich Gi nicht hätte, dann bekäme ich, speziell in der Nacht kaum etwas mit, denn wenn ich schlafe, dann schlafe ich sehr, sehr fest. Kämen Diebe, würden die mich gleich mit einpacken.

 

Zum Glück ist dies bei Gi genau umgekehrt. Hüstelt eine Heuschrecke, schnäuzt sich ein Gecko oder ruft eine Ameise ihrer besten Ameisen- Freundin etwas zu, Gi wird da sofort wach. Zu diesen Hüstel- Schnäuz- Ruf- Geräuschen, muss ich nun eigentlich nicht erwähnen, dass somit fast zwangsweise sehr oft Geräusch- Fehlalarm angesagt ist. Deshalb habe ich es mir auch angewöhnt, dass Gi mindestens zweimal einen Weckversuch starten muss, um mich aus dem Tiefschlaf zu holen. Nach dem ersten Versuch hat sie dann nämlich immer Zeit, um zu überlegen, ob sich ein zweiter Versuch denn wirklich lohnt!

In dieser besonderen Wadinacht, startet Gi den zweiten Versuch.

Wi, da draußen ist was.

Was ist da?

Ich weiß es nicht! Schau doch bitte mal nach.

Ich mag nicht. Schlaf einfach weiter!

Wi, da ist wirklich was.

Ich schaue raus. Ich sehe nichts. Ich höre nichts.

Gi, da ist nichts. Schlafe weiter. Und wecke mich nicht ständig.

Ich liege kaum, da höre ich was rascheln, was kratzen. Nur nichts Gi sagen, denke ich, denn sonst muss ich erneut schauen. Plötzlich spüre ich an meinem Hinterkopf einen leichte Druckberührung. Da ist wirklich was. Nur nichts Gi sagen, denke ich erneut, denn sonst muss ich wirklich raus. Kaum gedacht, flüstert Gi, ich habe Angst. Hast du das jetzt gehört? Da draußen ist bestimmt ein großes Tier.

Da ich nun wirklich munter bin, gebe ich Gi zu bedenken, dass ist sicherlich ein großes Tier.

Egal, Wi, bitte schaue nach.

Ich habe aber Angst vor Eisbären, Gi.

Eisbär, spinnst Du? Doch nicht in der Wüste!

Okay, wenn du mich töten willst, ich schaue nach.

Ich bewaffne mich mit der Taschenlampe, öffne das Zelt und schaue in die Finsternis. Systematisch leuchte ich den Platz ab. Plötzlich blitzen zwei Augen. Ungefähr 10 Meter vom Zelt entfernt klotzen  mich 2 Leucht- Augen irgendwie gefährlich an. Da ich ab und zu kein mutiger Typ bin, suche ich nach meinen Latschen unter der Zeltplane. Damit könnte ich werfen, das gefährliche Monstertier verscheuchen, denke ich. Ich finde meine Latschen nicht.

Unbewaffnet und barfuß schreite ich mutig Richtung Klotzaugen. Die sind plötzlich verschwunden. Ich leuchte. Ungefähr 10 Meter vor mir tauchen sie erneut auf.

Mir fällt ein Stein vom Herzen, denn das Spiel kenne ich. Es kann nur ein Wüstenfuchs sein, denn die bleiben immer auf 10 Meter- Distanz, sofern sie auf einem Menschen treffen.

Er hat unseren Lagerplatz abgesucht. Und dabei natürlich nicht vermutet, dass da zwei Angsthasen im Zelt schlafen.

Lieb Gi, es war ein Wüstenfuchs. Der hat garantiert dein leckeres Bedubrot gerochen. Ich habe ihn verscheucht. Ich hoffe, du hörst nun nichts mehr. Schlaf gut!

Meine Latschen riechen halt einfach besser
Meine Latschen riechen halt einfach besser

Am Morgen suche ich meine Latschen. Ich kann sie nicht finden. Was mir aber sofort auffällt sind die vielen Pfotenabdrücke vom Wüstenfuchs. Wir versuchen den Spuren zu folgen. Nach gut einem Kilometer ruft mir Gi zu, da liegt einer deiner Latschen. Der sieht echt gut aus! Ich glaube, deine Latschen haben den Wüstenfuchs angelockt. Die riechen garantiert besser wie mein Bedubrot. Schau her, da sind die Pfotenabdrücke sehr deutlich zu sehen.

 

Wo Gi Recht hat, hat sie halt recht!

Ich bin etwas traurig, denn ohne meine geliebten Latschen fahren wir in die Bergregion zur jemenitischen Grenze.

Ich bin etwas traurig
Ich bin etwas traurig
Herrliche Bergwelt mit Superwadis
Herrliche Bergwelt mit Superwadis

Doch die Bergwelt mit Superwadis entschädigt nach nur kurzer Zeit völlig. Zudem erleben wir im Grenzort, Mazyuna, einige Besonderheiten. Ich erhandle neue Latschen. Die Besonderheit  dabei. Sie sind nagelneu, nicht angefressen, passen auf Anhieb, sind echt preiswert erhandelt und gefallen sogar Gi. Das mit dem Gefallen, kommt echt selten vor bei Gi.  

 

Eine weitere Besonderheit der Ortschaft ist der Kamelmarkt. Es ist der größte im ganzen Oman. Das schöne dabei? Hier gibt es keine Touristen (okay, 2 waren gerade dort). Die Ortschaft steht in keinem Reiseführer. Und somit ist alles noch authentisch. Wobei, die Zeiten in denen noch Lastenkamele für Karawanen verkauft wurden, sind lange vorbei. Heute geht es nur noch um die Kilo. Kilo bedeutet dabei, umso mehr Kilo umso mehr Geld, denn es handelt sich zu 99 Prozent um Schlachtkamele. Den größten Kilo- Hunger haben dabei die Saudis. Lange schauen wir dem Treiben zu. Die Kamele werden mit Kränen auf 4x4 Pritschenautos verladen, grinsen dabei noch und scheinen somit nicht zu wissen, wohin die Reise eigentlich gehen wird. 

Ahnungslose Amira (Prinzessin)
Ahnungslose Amira (Prinzessin)

Natürlich kommen wir mit den Kamel- Menschen ins Gespräch. Ja, sagen sie, vieles hat sich in den letzten Jahren verändert. Die Zeiten der Karawanen sind lange vorbei.

Bedauern sie die Wandlung, möchte ich wissen.

Nein, mit den Kilos ist nun weit mehr Geld zu verdienen.

 

Und natürlich reden wir auch über dem so nahen Jemen. Die Grenze ist seit dem Krieg geschlossen. Nur wenige Menschen hatten in der Vergangenheit den Grenzübergang überhaupt benutzt. Die Grenzstraße führt in eine der schönsten Wadi- Regionen der Welt. Für uns ist es die schönste Wadi- Region überhaupt. Ich nenne nur die Stichpunkte: Hadramaut, Schibam, Wadi Dohan. 

Waschechter Jemenite
Waschechter Jemenite

Die Freude ist groß, als wir mit waschechten Jemeniten ins Gespräch kommen. Lange reden wir. Wir erzählen, dass wir vor wenigen Monaten noch in Sanaa waren und dort gerade die Huthi- Rebellen die Hauptstadt einnahmen. Sehr schnell merken sie, dass wir uns im Jemen auskennen.

Ob wir in den Jemen wollen, fragen sie.

Es gibt keine Visa für uns, wegen dem Krieg, gebe ich zurück.

Kein Problem, sagen sie grinsend zu uns.  

Sie würden uns begleiten. Wir könnten bis ins Hadramaut auch ohne Visa. Es gibt da einige Wüstenschleichwege. Wir müssen auch nichts bezahlen. Von Freunden des Jemen nehmen sie kein Geld.

Wir sind völlig überrascht. Und natürlich denken wir kurz nach, denn so ein Kurzausflug in den Jemen, dabei einen gemütlichen Kat- Nachmittag erleben, die Wadis vom Hadramaut inhalieren, Gespräche zu den neusten Entwicklungen im Land führen, das wäre natürlich ein Ding.

Doch sehr schnell wird uns bewusst, das Risiko an die falschen Leute zu geraten, das Risiko verhaftet zu werden wegen illegalem Grenzübertritt,  ist einfach zu hoch und somit die Sache nicht wert. Auch wenn es innerlich nagt, man soll ein eventuelles Unglück nicht herausfordern.

Zudem weiß ich, dass seit einiger Zeit, speziell im Hadramaut, die Al Qaida das Sagen hat, und diese Leute kann ich absolut nicht ab. Mit Millionen von Saudi- Dollars werden die dortigen Stammesführer auf Al Qaida- Kurs getrimmt. 

 

Uns bleibt somit nur noch, den Jemeniten zu wünschen, dass dem Krieg ein baldiger Frieden folgt, denn die Menschen im Land haben es bitter nötig. Über 70 Prozent der Jemeniten leiden Hunger und haben keinen Zugang mehr zu sauberen Trinkwasser. Die humanitäre Katastrophe für die Menschen im Jemen hat unvorstellbare Ausmaße angenommen. Der vergessene Krieg wütet mit gnadenloser Grausamkeit.

Von der Grenzstadt hoppeln wir über Pisten bis in die Ebene von Salalah. Von da wollen wir entlang der Küste bis zurück nach Muscat düsen. Eine sehr gute Entscheidung, denn wenn auch viel in den wenigen größeren Siedlungen gebaut, gebaggert, gebuddelt, leider teilweise auch zerstört wird, so ist doch noch immer unvorstellbar viel Platz für Leute wie uns verfügbar. Menschen die die Einsamkeit lieben, mit Delfinen baden möchten, lange Wanderungen an Stränden mögen und die mit unverfälschter  Gastfreundschaft etwas anfangen können, sind hier richtig aufgehoben. 

Schön genug?
Schön genug?

 

So bleibt es nicht aus, dass wir unvorstellbar romantische Über-nachtungsplätze er-spähen, teilweise dabei sogar die Qual der Wahl haben. Da fragen wir uns dann immer, schön genug? Bleiben wir hier? War der Platz vor 5 Minuten vielleicht doch schöner?

 

Egal, wo wir auch immer am Meer übernachten, eine längere Wanderung gehört immer zum Pflichtprogramm. 

Pflichtprogramm
Pflichtprogramm
Sie Klagen nicht
Sie Klagen nicht

Sehr oft beobachten wir die Fischer. Der Oman besitzt noch keine moderne Fangflotte. Mit kleinen Booten werden die vollen Netze ans Ufer geschippert. Dort übernehmen die Gastarbeiter aus Indien, Pakistan oder Bangladesch die harte Arbeit der Netzentleerung, der Sortierung und der notwendigen Kühlung. Bei Temperaturen, ab Mai bis Oktober, von über 40 Grad kein bequemer Job. Wie meist, wenn wir in einem Land unterwegs sind, rede ich auch mit diesen Menschen. Ich will einfach immer wissen, ob es ihnen im Oman gefällt, was sie verdienen, wie lange sie schon hier sind und ob vielleicht auch ihre Familie im nächsten Dorf wohnt? Wie gewohnt, sind die Auskünfte im Oman, meist verhalten positiv. Es gibt weit schlimmere Gastarbeiterländer.

 

Harter Job
Harter Job

Oft wollen uns die Männer einige Fische schenken. Immer wenn ich bezahlen will, gibt es Probleme. Sie wollen kein Geld. Ich lasse aber nie mit mir handeln, denn Arbeit soll, muss bezahlt werden. Es gibt eh zu viele Ungerechtigkeiten auf dieser Welt.

 

So vergehen die Tage entlang der Küste mit vielen Abwechslungen. Kein Tag wird langweilig. Beim täglichen Bade- Ruhe- Vergnügen wird mir dann immer bewusst, wie gut es uns doch geht.

Bade- Ruhe - Vergnügen
Bade- Ruhe - Vergnügen

Kurz vor Muscat besuchen wir noch einen neuen Trinkwasserstaudamm in den Bergen. Ich bin von den Wasserspiegelungen fasziniert.

Faszinierende Spiegelungen
Faszinierende Spiegelungen
Letztes Bedubrot im Oman
Letztes Bedubrot im Oman

 

Auch wird mir klar, was sich alles im Oman verändert. Vieles gefällt mir. Einiges gefällt mir nicht. Anderes verstehe ich einfach nicht. Um alles zu verstehen, müssen wir wohl erneut den Oman besuchen.

Diese schelmischen Gedanken kommen mir, während Gi die letzten omanischen Bedubrote zaubert.

In wenigen Tagen werden wir in Äthiopien sein. Wir können es kaum erwarten, denn in Äthiopien waren wir für 2 Monate während unserer Weltumradlungstour. Wir sind gespannt, was sich dort alles verändert hat?

 

 

 

 

 

Ob sich was in Äthiopien was verändert hat, erzähle ich dann aber erst im nächsten Bericht.

 

LG, Wi + Gi                                                                        Stand: Ende Februar 2016

Buch - Abgelatscht

Abgelatscht - 5740 Wanderkilometer durch 11 Länder - Wi + Gi Hofmann
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Grenzenlos  -  Mit dem Fahrrad 4 Jahre um die Welt - Wi + Gi Hofmann
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"Leeres Viertel"
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Hahn im Korb - Oman
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Neuseeland
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Weg in den Nebel
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