Vereinigte Arabische Emirate - Türme im Sand

Täglich um die 40 Grad
Täglich um die 40 Grad

Als junger Kerl habe ich alle Bücher von Zola gelesen. Eines davon war - Paradies der Damen -. Zola beschreibt darin, mit seiner unübertrefflichen Genauigkeit, die Entstehung des ersten Kaufhauses in der Welt. Somit auch die Erfolgsgeschichte aller weiteren Kaufhäuser. Zu verdanken hat man diese Kaufhaus-Erfolgsgeschichten, wie sollte es anders sein, der Damenwelt. Noch heute, und wohl auch in alle Ewigkeit, wird es diese Paradiese der Damen geben, denn nichts scheint die Damenwelt mehr anzuziehen.  

Paradies der Damen
Paradies der Damen
Raketenturm
Raketenturm

Das einzige was sich geändert hat, sind die Namen für all die Paradiese weltweit. Das normale Kaufhaus hat sich überholt. Hinweise zur Shopping-Malls, klingt ja auch weit eleganter, erblickt man in den VAE an jeder Kreuzung. Es gibt wahrlich genug davon. Hat man eine Mall gesehen, so kann man sich eigentlich die anderen sparen. Mann, denkt so. Frau, denkt da meist anders, denn sonst gäbe es ja nicht so viele.

 

Wenn ich ganz ehrlich bin, irgendwie war meine Mall dann doch auch irgendwie faszinierend, denn es gab da neben den Üblichkeiten wie Rolex, Diamanten, Klamotten nicht von der Stange, Damenschuhe ab 200 Euro, Pelzmäntel (da waren es in Dubai gerade über 40 Grad plus) einem Aquarium, eine Restauranthalle und viele, viele Sachen mehr, somit auch was leckeres für Männer. Ich meine da nicht ein kühles Bier, denn dieses erhält man in den Vereinigten Arabischen Emiraten nur in sternetragenden Hotels. Ich meine Eis der Sonderklasse, nämlich Jogurteis aus dem Zapfhan. Und der eigentliche Hammer ist, man garniert das selbst Gezapfte mit Früchten der eigenen Wahl. Danach wird die Leckerei gewogen. Das Gewicht bestimmt den Preis.  

Kunst im Kaufhaus - in der Mall
Kunst im Kaufhaus - in der Mall

Wer von den Männern auf Jogurtzapfeis steht, besuche unbedingt mit seiner besseren Hälfte die Mall gleich neben dem Turm des Kalifen. Mit 828 Metern ist die Kalifen-Rakete das höchste Gebäude der Welt. Neben viel Zapfeis, kann so der Mann gleich noch weitere Höhepunkte, während seine bessere Hälfte dem Paradies der Damen verfallen ist, erleben. Sollte er sich nämlich für Architektur im Wüstensand interessieren, so kommt er voll auf seine Kosten. Überhaupt, ob nun Mann oder Frau, jeder wird garantiert auf seine Kosten kommen. Apropos Kosten, Zola hat ja auch das Buch mit dem Titel – Das Geld - geschrieben.

Türme im Sand
Türme im Sand

 

Ich bin mir sicher, die Wüstensöhne und Wüstentöchter haben dies, während des ersten Ölbooms in ihrem Sandland, garantiert gelesen, auch studiert, denn eines muss man ihnen zugestehen, es wurde etwas einmaliges im ehemaligen Nur-Wüstenland geschaffen.

 

Dieses Geschaffene ist der Weitsicht der ehemaligen Beduinen und dem Fleiß der vielen Arbeitsameisen zu verdanken, denn ohne die Schar von Arbeitsameisen aus Asien, wären all die schicken Dinge nie entstanden.  

Wir mieten uns das kleinste verfügbare Auto für die nächsten 14 Wüstentage. Es kostet, man staune, nur 12 Euro pro Tag. Da es auch keine Kilometerbegrenzung dafür gibt, der Liter Sprit nur ca. 30 Eurocent kostet, durchfahren wir die 7 Emirate sehr wohlgelaunt. Unseren Haushalt verstauen wir im Kofferräumchen. Wir sind auf der Suche nach dem restlichen Sand in den Emiraten, auf der Suche nach den Arbeitsameisen und auf der Suche nach den ehemaligen Bedus.

Die Arbeitsameisen müssen wir nicht suchen, denn sie begegnen uns täglich. In der Shopping Mall stehen sie hinter den Kassen, an den Tankstellen füllen sie uns den Sprit auf, sie kehren die Straßen, errichten neue Wolkenkratzer, vermieten uns den Toyota Varis, bauen neue Autobahnen und, und , und. Ohne diese Menschen gäbe es die VAE, so wie sie nun weltweit bekannt sind, nicht.

Wir treffen auf unserer Tour auch Ameisen mit etwas außergewöhnlichen Aufgaben.  

Imam aus Ägypten
Imam aus Ägypten

 

 

An einer Moschee sehen wir den Moscheevorsteher. Er stammt aus Ägypten. Wir füllen, wie so oft an Moscheen, unseren Trinkwasser und Brauchwasservorrat auf. Vor Jahrzehnten gab es im Wüstenstaat keine Moscheen. Erst mit dem Ölboom sind sie entstanden. Selbst das Vorpredigen war da nun auch nicht. Man holte sich sogleich die Vorprediger ins Land. Sie predigen vor Muslimen aus aller Welt. Nur recht selten ist in den Moscheen ein Wüstensohn anzutreffen.

Schiebemänner
Schiebemänner

Wir besuchen den größten Kamelmarkt im Land. Er liegt etwas außerhalb von der wunderschönen Stadt Al Ain (die Quelle). Der Markt ist überraschend groß. Die vielen Menschen zwischen all den Kamelen stammen aus Indien, Afghanistan, Pakistan und dem Sudan. Ein Sudanese hat dabei eine ganz besondere Aufgabe. Er pöbelt mit seinen Fingern in den großen Nasenlöchern von einem Kamel herum. Als wir fragen, warum er dies tut, erklären uns die Männer, dass das Kamel eine schwere Grippe hat. Der Sudanese ist Kamelarzt. Und er bohrt mit den Fingern die Nasengänge frei um dem Kamel die Atmung zu erleichtern. Dies gefällt dem Kamel natürlich nicht. Es schreit fürchterlich. Überhaupt sind Kamele keine einfachen Kollegen, denn oft sind auch viele Schiebemänner nötig, um nur ein einziges Kamel auf eine Autoladefläche zu befördern. Es muss dabei nicht einmal eine Grippe haben.

Sandräumer aus Pakistan
Sandräumer aus Pakistan
Sandräummaschine
Sandräummaschine

 

Und da gibt es doch wirklich auch den Sandräumer in den VAE. Vergleichbar unserem deutschen Winterdienst räumt er zwar keinen Schnee, doch dafür viel, viel Sand mit schwerem Gerät zur Seite. Er stammt aus Pakistan. Schone viele Jahre hält er die Pisten frei. Lachen können wir, als wir feststellen, sein Job ist absolut krisensicher und dies sogar 12 Monate im Jahr. Ja, sagt er, und wenn er einmal im Jahr vom Heimaturlaub zurückkommt, dann muss er richtig flott räumen, denn sonst gibt es Ärger.

Doch egal, ob nun Nasenkamelbohrer oder Schiebemann, ob Moscheevorsteher oder Sandschieber, wir haben stets den Eindruck, die Männer machen ihre Arbeit aus vollster Überzeugung. Es macht ihnen Freude.

Stunden der Besinnung
Stunden der Besinnung
Köcheln bei der Palntage
Köcheln bei der Palntage

Trotz anhaltendem Bauboom, Eishallen, Schopping Malls in jeder Stadt, Siedlungen für die Gastarbeiter, Plantagen für Obst und Gemüse, künstlichen Inseln, Autobahnen durch die Wüsten und Vergnügungsparks, natürlich findet man auch noch genügend Sand. Ich meine damit, so richtig Sand, so wie man sich halt Wüste vorstellt, einfach einen Sandkasten für Erwachsene.

 

Dort schlafen wir auch in der Regel. Bedugleich verbringen wir die Abende und Nächte zwischen diesen Sandbergen, kochen Tee und Kaffee, packen Brot und andere leckere Sachen, schauen Mond und Sterne.

Siedepunkt erreicht!
Siedepunkt erreicht!
Die Wüste lebt
Die Wüste lebt

Die Sonnenuntergangs- und Sonnenaufgangszeiten sind dabei die Stunden der Besinnung, der schönen Farben, der angenehmeren Temperaturen und auch die Stunden der Entdeckungen. Die Wüste lebt. Wir folgen den Tierspuren der Nacht oder wir bestaunen die Tautropfen auf den wenigen Wüstenpflanzen. Die Wüste lebt.

Beduland
Beduland

Nur noch 6 Prozent der Bevölkerung, sind wirkliche, also ehemalige Wüstensöhne- und Töchter. Da wundert es nicht, dass es schwierig ist, auch nur einen davon, sozusagen hautnah zu sprechen.

Fast in letzter Minute treffen wir wirklich vier Leibhaftige. Wir nächtigen im Sand neben ihrer Plantage. Sie laden uns zum Abendessen ein. Sie bieten uns auch an, in ihrem Plantagenhaus zu schlafen, denn sie sind der Meinung, dass unser Nachtlager im Sand zu heiß und zu gefährlich - wegen der Schlangen und Skorpione - sei. Wir lehnen dankend ab. Sie können es nicht verstehen. Erst als ich sie frage, ob denn nicht ihre Eltern oder zumindest Großeltern auch in Zelten gelebt haben, beginnen sie zu verstehen. Ja, sagen sie. Und sie sagen weiter, die Großeltern schwärmen noch heute von der längst vergangenen Zeit. Sie erzählen plötzlich wie sprudelnde Wasserfälle. Durch die Wüsten sind die Familien damals mit den Karawanen von den Sommerlagern in die Winterlager gezogen. Da gab es noch kein einziges Hochhaus, keinen Kühlschrank, kein Auto, keine Klimaanlage, keine Straßen. Alles kam erst später. Eine Frau sagt, ja da war ich noch als Kind mit unterwegs.

Nach den alten Geschichten, fragen wir nach dem nun neuen, dem nun anderen Leben.

Auf der Plantage wächst alles was sie brauchen, erzählen sie. Nur selten kommen sie her um nach dem rechten zu sehen. Der Gärtner ist aus Pakistan. Ihr Haupthaus steht in Dubai. Dort haben sie 2 Frauen für den Haushalt angestellt. Die stammen aus den Malaysia. Der Fahrer, er ist aus Indien, arbeitet schon 35 Jahre für die Familie.

Was haltet ihr von euren Kalifen, wollen wir wissen. Es geht uns nicht schlecht, doch in den letzten Jahren wird alles immer teurer und immer mehr Ausländer kommen ins Land. Wir denken, dies geht nicht mehr lange gut.

Am späten Abend bringt sie ihr Fahrer zurück nach Dubai. Dort haben die 2 Angestellten Frauen sicherlich schon alles gerichtet. Der Gärtner bekommt den Auftrag, sollten wir irgendwelche Wünsche haben, dann soll er sich kümmern.

In VAE - Haushalten, werden im Durchschnitt vier Ausländer beschäftigt. Unsere Gastgeberfamilie war also eine Durchschnittsfamilie.

 

Was uns an der Durchschnittsfamilie gefiel? Beim erzählen über die alten Zeiten sahen wir ein funkeln in ihren Augen. Wir konnten es verstehen, denn wir lieben ja selbst die Wüsten.

Abschied von den VAE
Abschied von den VAE

 

 

 

Bis zum nächsten Bericht, liebe Grüße aus dem Land mit den Türmen im Sand.

 

LG, Wi + Gi

 

 

 

Stand: Ende Oktober 2014

Buch - Abgelatscht

Abgelatscht - 5740 Wanderkilometer durch 11 Länder - Wi + Gi Hofmann
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