Australien Teil 3

53,5 Meter sind die echt lang
53,5 Meter sind die echt lang

Outback-Geflüster

Australien ist unüberschaubar groß. Deutschland passt da gut 21-mal rein. Ca. 14-mal Deutschland umfasst die Outbackfläche, schätze ich zumindest. Es gibt da echt Straßenschilder, dass das nächste Städtchen gute 400 km entfernt ist, der nächste Minimarkt in 300 km erreicht werden kann. Dazwischen liegen, mit etwas Glück, 2 bis 3 Ortschaften. Ortschaften bedeutet dann, zwischen 10 und 300 Outbackler sind da zu zählen, somit zwischen 3 und 40 Holzhäuser, davon immer mindestens eine Kneipe. Es gilt somit die Losung: Was du heute nicht kannst besorgen, verschiebe halt auf morgen. Damit sind Einkaufen, Trinkwasser, kühleres Wetter, Tankstellen, weniger Fliegen usw. gemeint. Man braucht also Zeit um durchs Outback zu fahren, denn man fährt von Horizont zu Horizont, von Siedlung zu Siedlung, durch Buschland soweit das Auge reicht, durch trockene oder sandige Wüsten und tropische Savannen. Dazwischen ist fast nichts. Dieses ``Nichts`` ist die eigentliche Faszination, denn nach unzähligen Kilometern kommt, sehr oft plötzlich, das Erwachen im Nichts. Man sieht Dinge, die man so nie erwartet hat. Die manchmal langweilige Landschaft wechselt ins wunderschön, oder es springt da plötzlich eine Emufamilie durchs Buschland. Man versteht dann auch, warum im vermeintlichen Nichts einige Menschen leben, ihr Geld verdienen, Farmen bewirtschaften.

Die Mehrzahl der Australier (ca. 80 %) kennen ihr Outback nicht. Zu anstrengend, zu heiß, zu viele Fliegen und natürlich viel zu gefährlich, sind da die üblichen Ausreden. Uns kann es nur recht sein, denn es macht Spaß den ,,Buschgruß`` per Fingerzeichen zu erwidern.  

Bis 150 Tonnen hat die Rakete auf ca. 100 Räder
Bis 150 Tonnen hat die Rakete auf ca. 100 Räder

 

 

 

Bei den Road-Trains Fahrern – sie sitzen einfach zu hoch – kann man den Gruß allerdings nur erahnen. Über 53 Meter ist das Gefährt mit max. 3 Hängern lang. Um die 100 Räder stabilisieren die knapp 150-Tonnen-Autorakete. Dieser gegenseitige Fahrergruß bedeutet auch, im Notfall hilft hier jeder jedem. Wo gibt es denn das noch?

An einem Tag, welcher nicht mein bester ist, ich habe schon mindestens 100 Fliegen erschlagen, fahre ich Toyota-Oma tüchtig im Sand fest. Es geschieht abseits der Hauptstraße. Wir wollen da übernachten. Also schippen wir erstmal Sand bei über 40 Grad Hitze. Nach 1 Stunde ist Toyota-Oma einen Meter weiter. Allerdings immer noch im tiefen Sand. Ich überschlage kurz die weiteren Sandmeter und die dafür zu benötigende Zeit. Nach Mitternacht, sage ich zu Gi, könnte Oma befreit sein. Gi hat eine bessere Idee.  

Nicht angenehm bei 40 Grad
Nicht angenehm bei 40 Grad
An manchen Tagen nerven die ordentlich
An manchen Tagen nerven die ordentlich

Lauf doch einfach zur Hauptstraße und halte ein Auto an. Ich schnappe mir eine Wasserflasche und mein Gesichtsfliegennetz, laufe eine halbe Stunde bis zur Hauptstraße. Dort sitze ich gefühlte 3 Tage in glühender Hitze. Trotzdem ist es nicht langweilig, denn ich mache eine grandiose Erfahrung. Spucke nie durch dein Fliegenschutzgesichtsnetz (braucht man unbedingt, zumindest oft, denn sonst fressen dich die Fliegen auf!). Die Spucke geht da nämlich garantiert nicht durch. Es ist wirklich nicht mein Tag. Die Spucke, eigentlich keine richtige Spucke, ist nämlich hoch geholter Schleim von meiner Klimaanlagen-Fliegererkältung. Ist somit sehr, sehr dicke Spucke. Den Rest ersparen wir uns. Einfach zu ekelig.  

Zu meiner Ablenkung kommt dann tatsächlich noch vor Sonnenuntergang ein Auto vorbei. Zum Glück ein großer 4x4 Toyota. Und zum Glück sitzt ein netter Kerl hinterm Lenkrad. Ich soll nicht in sein Auto. Das Trittbrett wird mir zugewiesen. Ich kann ihm ja sonst was erzählen, wird er wohl denken. Vom Trittbrett kann er mich ja leicht abschütteln, denke ich dafür. Verstehen kann ich ihn, denn eine gesunde Vorsicht ist im Outback angebracht. Raubüberfälle der schlimmen Sorte, sind nicht an der Tagesordnung, doch sie gibt es leider auch in Australien. Und Kreuze an der Strecke, mit der Beschriftung: Ermordet am …, haben wir auch gesehen. In fast jedem Roadhouse (Rasthaus) an der Strecke, kann man sich zudem auch Vermisstenanzeigen anschauen. Unser Kerl ist aber ein guter Kerl. Und das wir es sind, davon konnte er sich auch überzeugen.

Nur fährt er wie der Teufel. Gi behauptet später, der hatte Feuerwasser im Blut, und davon nicht zu wenig. Egal, die Toyota-Oma-Befreiung dauert dafür nur 10 Minuten. Wir sind happy.

An anderen Tagen, man fährt sich ja nicht ständig fest oder röhrt durchs Fliegennetz, erleben wir das Outback der netteren Form. Tiererlebnisse gehören da natürlich dazu. Ich meine da nicht die Fliegen. Wenn jemand erzählt, ich mache Urlaub in Australien, dann sagen gewöhnlich die Verwandten, Bekannten oder Freunde: Dann Grüße mir recht lieb die Kängurus. Ist ja auch kein Wunder, denn egal was man über Australien im TV sieht, in Zeitungen liest oder in den Reisebürobroschüren hingeblättert bekommt, es springen einem regelrecht die Kängurus ins: Habe-Bald-Urlaubs-Gesicht. Somit denkt jeder, in Australien hüpfen die ständig über die Straße, arbeiten am Flughafen als Passkontrolleur oder man trifft sie am Abend an irgendeiner Bar.

Unsere ersten Kängurus sehen nicht gut aus
Unsere ersten Kängurus sehen nicht gut aus

Unsere ersten gut 100 Kängurus (meist sind es Wallabies, sind die putzigen kleineren) sehen aber gar nicht gut aus, denn sie liegen zermalmt, blutig, als Skelett oder im übelst riechendem Verwehsungszustand auf oder neben der Straße.

Die Schilder mit: Vorsicht Känguru!, müssten eigentlich ein zermalmtes Känguru zeigen, behauptet Gi die ersten Tage. Wann sehen wir denn endlich welche, fragt sie oft. 

Da Gi unzufrieden erscheint, greife ich in meine Erinnerungskiste. Liebe Gi, kennst du Crocodile Dundee? Nein, ist die sehr knappe Antwort.

 

Okay, ich bin ab jetzt Crocodile Dundee und du seine Buschgefährtin. Die ist sehr hübsch, doch hat die vom Outback absolut keine Ahnung. Also muss Dundee ihr alles zeigen. Wir machen es ab jetzt genauso!


Die nächsten Wochen am Stuart Highway verlaufen somit sehr Tierreich. Da wir Zeit haben, an manchen Tagen fahren wir keine 50 Kilometer, verlassen wir auch oft die Hauptstraße. Meist besuchen wir dabei irgendwelche Wasserlöcher, Flussläufe mit und ohne Wasser, Buschland mit rotem Sand, Grassteppen oder die wenigen dichten Wälder. Oft schlafen wir auch gleich dort. Wi-Dundee hat Glück, denn an diesen Stellen suchen die Kängurus die schattigen Stellen auf oder kommen zum trinken angehüpft. Jede Känguruart sehen wir. Es sind sogar manchmal Babys im sicheren Känguru-Mamabeutel dabei. 

Crocodile Wi-Dundee + Gefährtin
Crocodile Wi-Dundee + Gefährtin

Wi-Dundee ist natürlich stolz. Und er kann sich kaum noch beherrschen, als er seiner Gefährtin weitere Tiere zeigen kann. Neben vielen Papageien, sind dies natürlich Echsen, Ameisenigel, auch 2 Schlangen, Flughunde, Spinnen und ganze Emufamilien. 

Im Nationalpark Kakadu gibt es einen Wasserfall. Dort wurde eine Schlüsselszene vom Crocodile-Film gedreht. Natürlich will Wi-Dundee seiner Gefährtin, nicht ganz ohne Hintergedanken, den wunderschönen Wasserfall zeigen. Dort ging Dundee-Gefährtin nämlich mit ordentlich knappen Badeanzug baden, ein Kroko kam und Dundee meuchelte es in Outbackstil mit überlangem Küchenmesser. 

Ich hatte mein Oma-Toyota-Küchenmesser schon am Gürtel, als wir lesen mussten, die Zufahrt zum Wasserfall ist gesperrt. Doch Wi-Dundee hat ja in den vergangenen Wochen ordentlich gelernt. Nur Stunden später, an einem Fluss, sichte ich das Ungeheuer. Ich frage Gi, ob sie sich nicht in die Fluten, natürlich mit knappen Badeanzug, stürzen möchte? Ich würde das Kroko natürlich garantiert bei Angriff meucheln!

Unser Kroko
Unser Kroko

Gi macht einen für mich komischen Gegenvorschlag. Lieber Wi-Dundee, stürze du dich ins Wasser. Ich bin gespannt wie du das Kroko meuchelst. Ich werde ein Foto davon machen, werde es dann verkaufen und garantiert sehr viel Geld dafür bekommen. 

In den nächsten Tagen und Wochen, konzentriere ich mich dann doch lieber wieder auf all die andere Tierwelt.

Neben den Wi-Dundee-Tiererlebnissen, gibt es am Stuart Highway weitere Leckerbissen. Diese sind Naturwunder der feinsten Art. Der Urulu, die Umrundung zu Fuß dauert gut 3 Stunden, ist einer dieser Leckerbissen.

Uluru - Sonnenuntergang
Uluru - Sonnenuntergang
Devils Marbles
Devils Marbles

Speziell nördlich von Alice Spring, wechseln die Naturwunder fast täglich. Neben heißen Quellen, Nationalparks vom Feinsten, Landschaften zum Träumen, kann man auch die Devils Marbles bestaunen. Weiter nördlich wird es zunehmend wärmer, eigentlich heiß, denn in Darwin (nördlichste Stadt von Australien) erwarten uns nach gut 9 Tausend Kilometern über 40 Grad im Schatten. 

Toyota-Oma und auch wir brauchen eine kurze Pause.  

Gi nutzt unsere Pause um neue Horizonte auszusuchen. Doch davon erzähle ich erst im nächsten Teil.

 

 

Horizontabzsucherin
Horizontabzsucherin

 

 

 

 

Bis dahin,

 

liebe Grüße,

 

von Gi, Wi +

 

Toyota-Oma

 

 

 

 

 

 

 

 

Stand:

Mitte Dezember 2014

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Abgelatscht - 5740 Wanderkilometer durch 11 Länder - Wi + Gi Hofmann
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Buch - Grenzenlos

Grenzenlos  -  Mit dem Fahrrad 4 Jahre um die Welt - Wi + Gi Hofmann
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Neuseeland
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Australien
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Indien
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