Oman - Von der Grenze bis Bahla

Wüstengeflüster
Wüstengeflüster

Noch in Al Ain wird unter meiner Anleitung Toyota repariert. 7 Inder helfen mir dabei. 6 schauen zu, geben sinnige oder weniger sinnige Kommentare. Nur einer hört wirklich auf meine Worte. Er soll ein Loch in die alte abgebrochene Halterung bohren, nach Möglichkeit genau dort, wo ich es angezeichnet habe. Wir versetzen die Halterung einfach. Schweißen ist somit nicht nötig. 

Die versetzte Halterung hält echt gut
Die versetzte Halterung hält echt gut

Einen Tag später erfolgt die Grenzabfertigung recht flott. So flott wie die Grenzabfertigung wird unser Weg bis Muscat aber nicht erfolgen, denn ca. 450 Wanderkilometer liegen vor uns. Wir kennen die Strecke von unserer Weltradeltour. Deshalb sind wir recht froh gelaunt, denn wir freuen uns auf einige bereits bekannte Übernachtungsplätze. 

Diese werden so unterschiedlich sein wie die Landschaften welche uns bis zur Hauptstadt begleiten werden. Rechter Hand sind dabei meist die Ausläufer vom Hadschar-Gebirge zu sehen. Linkerhand, zumindest auf den ersten 200 km, wellen sich die kleinen, manchmal auch größeren Dünenkämme vom Leeren Viertel (größte Wüste Arabiens). Bis Bahla gibt es in größeren Abständen nur kleinere Ortschaften, vereinzelt auch Farmen oder Beduinenlager im ewigen Sand.

Weiter Weg bis zur Hauptstadt Maskat
Weiter Weg bis zur Hauptstadt Maskat

Da diese Plantagen, diese kleinen Ortschaften oder die Bedus natürlich Wasser brauchen, ist es für uns nie ein Problem selbst an Wasser zu kommen. Manche Tage sind dabei fast paradiesisch zu bezeichnen, denn relativ oft treffen wir auf Wasserkanäle. An einem dieser Kanäle, er führt an einer alten kleinen Moschee vorbei, verbringen wir einen besonderen Lagerplatzabend. Es gibt da nämlich eine ''Wüstenbadewanne'' für uns. 

PS: Die ''Badewanne'' ist die unterirdische Kanal-Waschstelle von der Moschee. Sehr oft findet man noch solche Wasserkanal-Waschstellen im Oman. Nicht nur für Wanderer ein wahrer Segen!

Meine Seegen-Wüstenbadewanne
Meine Seegen-Wüstenbadewanne

Wenn man den ganzen Tag wandert, manchmal bis zu 40 Kilometer, dann ist man am Abend eigentlich absolut Ruhebedürftig. Mit Ruhe ist da aber erstmal nichts, denn ein idealer Lagerplatz muss gefunden werden, das Zelt aufgebaut werden und natürlich ist die Verpflegung wichtig. Gi baut immer das Zelt auf. Ich suche in der Zwischenzeit abgestorbenes Holz fürs Lagerfeuer, koche immer zuerst einen Kaffee und danach beginnen wir unser Abendbrot zu köcheln, zu braten, und irgendwie schön herzurichten, auch schön zu platzieren, denn die Augen essen immer mit. Genau wie in den Vereinigten Arabischen Emiraten, werden wir an der Strecke reichlich beschenkt. Sehr oft sind echt leckere Sachen dabei. Weintrauben, Fruchtsäfte, Datteln und vieles mehr. So fällt es uns leicht, unser jeweiliges Abendmahl sehr abwechslungsreich zu gestalten. 

Neben unserem Bedubrot, kochen wir auch Kartoffeln oder Nudeln, braten Zwiebeln und Gemüse, und versuchen so täglich dem Wunsch nach Abwechslung gerecht zu werden. Diese Leckereien brauchen wir auch, denn der Körper schreit förmlich nach Energiezufuhr. Gi lässt sich da immer was einfallen. Oft bin ich überrascht, was sie alles herzaubert.

Mit Sonnenuntergang lösche ich dann auch immer das Feuer. Wir fühlen uns nie unsicher, doch auch die Wüste hat Augen. Wir wollen nicht unbedingt durch den Schein unserer Lagerfeuer gesehen werden. Wir lieben zudem auch die Ruhe am Abend.

Abwechslung tut gut
Abwechslung tut gut

Auch im Oman werden wir oft eingeladen. Nur selten nehmen wir eine Einladung an. Ali schafft es mit seiner sehr gewinnenden Art uns davon zu überzeugen sein Dorf, sein Haus und seine Gastfreundschaft zu genießen. Wir bereuen nicht.

 

Ali
Ali

Er zeigt uns seinen Palmengarten, seine Kühe, Ziegen, sein altes und sein neues Haus. Wir lernen fast alle Familienmitglieder beim Mittagessen (gegen 14.30 Uhr!) kennen. Es gibt köstlichen Reis mit gebratenen Zwiebeln, Hammel und reichlich Salat. Ali und seine Familie sind freudig erstaunt, dass auch wir ohne Besteck essen, sogar ohne Messer, Gabel & Löffel reichlich satt werden. Gelernt ist halt gelernt.

Wäscheplatz von Ali's Familie
Wäscheplatz von Ali's Familie

In Bahla durchschreiten wir irgendwie Stolz das neu erbaute Stadttor. Es wurde natürlich nicht extra für uns erbaut. Der Tourismus im Oman macht von Jahr zu Jahr regelrechte Sprünge. Ab Bahla Richtung Maskat merkt man dies in jeder Ortschaft.

Stadttor von Bahla
Stadttor von Bahla

Ab hier ändert sich dann auch die Landschaft. Sandwüste wechselt in Stein- oder Geröllwüste. Auch dies hat seinen Reiz, denn die Berge vom Hadschar-Gebirge sind nun fast greifbar. Bis knapp 3000 Meter reichen sie in die Höhe. Sie erscheinen uns besonders am Abend und am Morgen in unterschiedlichsten Rottönen. Oft ein Feuerwerk der Farben.

So nehmen wir vorerst Abschied von unserem geliebten Sandkasten, verbringen die nächsten Nächte zwischen Felsen, auch in Wadis von ganz bizarrer Schönheit und genießen dabei das täglich zunehmende Grün der immer mächtiger werdenden Palmen.

Wüstenlager pur
Wüstenlager pur

Von Bahla bis zur Hauptstadt Maskat sind es nur noch gute 150 Kilometer. Darüber erzähle ich im nächsten Teil.

 

Rechts oben Teil 6 anklicken oder einfach Link folgen: Teil 6

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