Der Weg zur iranischen Perle

33 Bogenbrücke in Esfahan
33 Bogenbrücke in Esfahan

Bei unserem Wanderaufbruch ab Schiraz ziehen dunkle Wolken auf. Auch weht ein heftiger Wind. Zum Glück gibt es aber keine steilen Anstiege, keine Serpentinen. 

Die Straße schlängelt sich freundlich über die Hochebene. Auf 1500 bis 2000 Meter Höhe verbringen wir die nächsten Tage. In den Nächten wird es da ordentlich kalt. Zwischen den Ortschaften, Richtung Isfahan, sind oft weite Strecken fast menschenleer. Wir bunkern Trinkwasser, Brot und Käse. An den Abenden suchen wir immer nach einer geeigneten Schlafstelle. Meist zieht sich zwischen den Ortschaften Feld an Feld. Dort gibt es Pumpenhäuser für die Bewässerung. Dies sind eigentlich ideale Zeltplätze, denn man hat reichlich Wasser, oft sogar Stromanschluss.

Doch an einem Abend ziehen wir eine totale Übernachtungsniete, denn gerade als wir am einschlafen sind, schaltet einer der Pumpenwächter die Pumpe ein. Neben dem höllischen Geräusch der Steinzeitpumpe, plätschert zusätzlich Wasser im Kanal nur knapp einen Meter an unserem Zelt vorbei. Nicht genug der Ruhestörung, nach Mitternacht zieht zudem ein heftiges Gewitter auf. Die Nacht ist unangenehm feucht und kalt.

Feuchte, kalte und kurze Nacht
Feuchte, kalte und kurze Nacht

Unausgeschlafen tippeln wir am nächsten Morgen weiter. Da ereilt uns das nächste Problemchen. Toyotas Laufradaufhängung gibt erneut den Geist auf. Im nächsten Dorf reiht sich eine kleine Werk-statt an die andere.

Ich erkläre einem Mann was er für uns tun könnte. Sofort eilen die Männer der anderen Werkstätten zu uns. Nun erklärt jeder dem anderen was zu tun ist. Nicht einer spricht englisch. Ich verliere die Übersicht. Also sage ich ständig: No, no, no …! Ab da bin ich nur noch Mister no.

Erst als ich mit einem Stift die notwendigen Reparaturabläufe der Aufhängung aufzeichne, verstehen sie. Schritt für Schritt wird danach da etwas gekürzt, da was gebohrt und da was verschraubt. Gute 2 Stunden dauert die ganze Aktion. Dabei verliere ich viele Nerven, denn ein ganz gescheiter, will ständig neues ausprobieren. Er kommt mir wie der islamische Parteisekretär der Truppe vor.

Ich verliere die Übersicht
Ich verliere die Übersicht

Die anderen zwinkern mir zu oder winken ab. Auch sie sind irgendwie genervt. Letztendlich sind wir aber alle happy, denn die Aufhängung besteht mit voller Beladung die Belastung. Als ich bezahlen will, winken alle ab. Dabei lächeln sie wie kleine Kinder.

Werkstatt Toyota
Letztendlich sind wir alle happy

Größere Siedlungen benutzen wir immer zu längeren Pausen, denn da gibt es die schönen Alleen, mit viel Schatten, oftmals Parks, kleinen Läden und den für uns so wichtigen Bäckern. 

Wenig Verkehr
Wenig Verkehr

Das frische Brot ist ein Segen, besonders wenn es noch warm ist. Genau wie die Toyotareparaturtruppe, sind alle Menschen sehr nett zu uns. Wenn sie hören, dass wir aus Deutschland sind, glänzen die Augen noch mehr. Oft bekommen wir etwas geschenkt. Meist ist es Trinkwasser, auch Obst oder Brot.  

Sie verstehen ihr Handwerk - Brotbäckerei
Sie verstehen ihr Handwerk - Brotbäckerei

So vergehen die Tage und Nächte bis zur Perle vom Iran sehr kurzweilig. Die Perle selbst ist Isfahan, zumindest ist es unsere Perle, denn Isfahan hat nicht umsonst den Ruf, die schönste Stadt im Iran zu sein. Wenn es auch in fast jeder iranischen Stadt Baumalleen gibt, so sind die in Isfahan weit mehr von ihrer Anzahl, weit dichter, weit schattenspendender, weit grüner und weit idyllischer. Im Schatten dieser Alleen spielt sich das Leben der Stadt ab. Es gibt unter diesen Bäumen das beste Eis, die besten Fruchtsäfte, die besten Konditoreien und die kontaktfreudigsten Menschen. Zwischen den Alleen durchstoßen Minarette das grüne Dach. Die prächtigsten Moscheen sind von Parkanlagen und Basaren umgeben. 1001 Nachtstimmung, besonders in den Abendstunden, durchströmt die ganze Stadt. Die eigentliche Lebensader ist aber ein Fluss, welcher die Stadt wie eine Torte in der Mitte durchschneidet. Entlang des Zayandeh, was Lebensspendend bedeutet, ziehen sich beidseits gepflegte Parkanlagen über unendlich erscheinende Kilometer. Die Krönung vom Fluss sind jedoch seine Brücken. Isfahan besitzt davon einige, davon einige sehr, sehr alte.

Natürlich wollen wir all die Sehenswürdigkeiten von Isfahan erkunden. Unser Basislager für die langen Märsche finden wir sehr schnell. Als wir den Innenhof betreten, staunen wir nicht schlecht, denn wir kennen das Hostel. Vor ca. 7 Jahren waren wir hier schon Gast. Damals bekamen unserer Fahrräder einen Ehrenplatz im Innenhof, diesmal parkt da Toyota. Welch ein Zufall! Auch der Besitzer ist erfreut. Schnell werden wir handelseinig. Toyota hat für einige Zeit seine Ruhe. Braucht er auch, immerhin sind wir die letzten Tage ca. 125 Kilometer gemeinsam getrippelt und die Radaufhänungs-OP muss ja von Toyota auch noch verkraftet werden. Wir jedoch finden keine Ruhe, denn all die Schönheiten der einmaligen Stadt warten auf uns.

Wenn man Isfahan besucht, dann sollte es an einem Wochenende (im Iran Donnerstag Abend bis Samstag) geschehen. Da sind nämlich alle Parkanlagen voller Besucher. Die Grünflächen, auch die der Moscheen, sind dann garantiert Picknickplätze. So lässt sich am besten das iranische Freizeitvergnügen bestaunen. Es wird garantiert an diesen Wochenendtagen nicht lange dauern, bis man als Ausländer zu Gesprächen, zum Tee und manch Leckereien eingeladen wird.

Auch sind die berühmten Basare der Stadt noch lebendiger, noch farbenfroher, noch unübersichtlicher. 

Eine der vielen schönen Moscheen
Eine der vielen schönen Moscheen
Freizeitvergnügen der Iraner
Freizeitvergnügen der Iraner


Hat man aber Zeit, so wie wir sie uns für Isfahan nehmen, ist das Verlaufen kein Problem. Es hat dann sogar viele Vorteile. Man kommt in Ecken, welche man nie vergessen wird.

Neben Moscheen, romantischen Innenhöfen und Teehäusern, welche in keinem Reiseführer aufgeführt sind, trifft man eventuell auch auf die Mopedparkplätze für die vielen Marktverkäufer an den Randbezirken der Basare. Was mich da echt verwundert hat, ist dabei die absolut ordentliche Parkordnung der Isfahaner. Wer den Straßenverkehr und das Parkverhalten der Iraner kennt, kommt da nur noch ins staunen.

Parkplatz
Superparkplatz

Da wir uns oft verlaufen, finden wir auch die Werkstätten und Lagerhallen, welche den Basaren das eigentliche Leben erst einhauchen. Hunderter solcher Werkstätten sind in den Basarrandbezirken versteckt.

Neben Lagerhallen für Teppiche, noch lebende Hühner, Gewürzsäcke, Teebeutel, Schubkarren, Bücher, Kopftücher, Hemden, Schuhe, Gemüse und unbeschreiblich mehr, sind auch die Werkstätten eine Augenweide. Von fein bis grob reicht hier das Angebot. Da wird gehämmert, gebohrt, gesägt oder auch geschmiedet.  

Handarbeit
Handarbeit


Bis in die tiefen Nachtstunden sind die Basare an Wochenenden geöffnet. Wir suchen aber regelmäßig kurz vor Sonnenuntergang einen Basarausgang. 

Dabei ist unsere Picknicktasche schon immer prall gefüllt. An einer der vielen Brücken nehmen wir Platz. Schnell füllen sich die Plätze auf den Brücken, neben den Brücken und auch unter den Brücken.

Brücke
Die Brücken füllen sich

Zum Glück gibt es mehrere von den wunderschönen Brücken. So wechseln wir an manchen Abend den Brückenplatz. Keine der Brücken wird unsere Lieblingsbrücke, denn jede hat etwas anderes zu bieten. Die eine erscheint in ganz besonderem Licht. 

Die nächste gefällt durch ihre geniale Architektur. Eine weitere punktet mit ihren 33 Bögen. Manche der Wunderwerke umschallt passende Musik oder in ihrem Bauch ist gar ein kleiner Buchladen versteckt.  


Nun aber genug der Überschwänglichkeit. Man sollte es selbst erleben dürfen, um letztendlich die Schönheiten der iranischen Perle zu verstehen. In diesem Sinne, bis zum nächsten Teil.

 

Teil 12 oben rechts anklicken oder einfach Link folgen: Teil 12

 

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