VAE - Teil 4 - März 2015

Wüstengeflüster
Wüstengeflüster

Wüstengeflüster

Die Winterpause ist vorbei. Von Dubai aus setzen wir unsere Langzeitwanderung fort. Zuerst  pumpe ich die Räder von Toyota auf, ziehe die Schrauben nach, besorge uns eine Landkarte, und suche den Weg aus der Stadt der Türme. 

Stau in Dubai
Stau in Dubai

Nur ca. 125 Kilometer sind es bis nach Al Ain zur Grenze in den Oman. Ob sich unsere Mühen lohnen, wissen wir da noch nicht. Was wir aber wissen, wir können nicht den Beduinen gleich, die alten Karawanenwege nutzen, denn diese gibt es schon lange nicht mehr. Egal, wir nutzen einfach die asphaltierte Straße nach Al Ain. Langweilig wird es bestimmt nicht.

Wir erleben entlang der Straße eine wahre Flut von Gastfreundschaft. Täglich halten Autos an. Die Fahrer/innen und Insassen wollen wissen ob sie uns helfen können. Sie fragen uns natürlich auch aus. Woher wir sind, wohin wir wollen oder warum wir dies tun? Dies können wir dann sehr schnell auswendig herbeten. Nach 50 Stopps höre ich zu zählen auf. Jeder will uns nur Gutes. So erhalten wir das so wichtige Trinkwasser in Überfluss. Ganze Tüten voll Proviant mit Obst, Brot, Süßigkeiten und, und, und... wechselt von den Autos in unseren Toyota. Es gibt Tage, da müssen wir die Geschenke ablehnen, denn oft ist der Bauch von Toyota-Wägelchen überfüllt. Wir bekommen auch täglich Einladungen zu Übernachtungen. Wir lehnen die Übernachtungen ab, wir lehnen auch die Angebote ab uns bis in die nächste Siedlung oder gleich nach Al Ain zu fahren. Die täglichen Unterhaltungen ''kosten'' Zeit, denn manche Gesprächspause dauert sehr, sehr lange. Jeder 3. Anhalter fragt sogar, braucht ihr Geld?

Tägliche Überraschungen - sogar Geld wird uns geschenkt
Tägliche Überraschungen - sogar Geld wird uns geschenkt

Da wir wohlerzogene Wanderer sind, lehnen wir natürlich auch die Geldangebote ab. Doch ein Fahrer lässt sich davon nicht beirren. Er ist so begeistert von unserer Tour, dass er uns 500 Dirham (immerhin ca. 125 Euro) regelrecht aufdrängelt. Er hatte eigentlich nur gehalten, da er dachte im Toyota-Wägelchen liegt unser Baby. Dann ist er schnell begeistert, dass im Wägelchen ''nur'' unsere Wandersachen verstaut sind. Geht in Al Ain ins Restaurant, ruft er uns zu, als er bereits Gas gibt. Der Schein liegt vor unseren Füßen. Mit 500 Dirham können wir 20 Abendessen bezahlen, murmele ich Gi zu. 

Tief gerührt sind wir von einem Autostopp der ganz anderen Art. Im Wagen sitzen drei Frauen aus dem Oman. Gi spricht sehr lange mit den jungen Frauen. Zum Schluss der Unterhaltung bekommt Gi eine Rose geschenkt. Dazu gibt es natürlich auch eine Flasche Wasser.

Rosen in der Wüste
Rosen in der Wüste

Jeden Nachmittag sind wir irgendwie geschafft. Die täglichen ca. 25 Tageswanderkilometer machen sich bemerkbar, die Unterhaltungen strengen auch irgendwie an, und die Temperaturen steigen auch täglich weiter in die Höhe. Am späten Nachmittag verlassen wir immer die Straße, schieben in Gewaltakten Toyota hinter irgendwelche Dünen.

Zeit der Entspannung
Zeit der Entspannung

So vergehen die Tage wie im Flug. An den Abenden köcheln wir auf unseren Lagerfeuern, warten auf den Sonnenuntergang, sprechen über unsere lustigen, spannenden und auch nachdenklichen Tagesbegegnungen, freuen uns auf den Mond und die Sterne und sind gespannt auf den nächsten Tagesverlauf.

Am fünften Abend, wir sind da nur noch 15 km von Al Ain entfernt, erleben wir noch etwas ganz Besonderes, etwas, was zu den Wüsten auch heute noch manchmal gehört. 

Auf der Suche nach einem Lagerplatz zwischen den Dünen spricht uns ein Mann an. Was sucht ihr, möchte er von uns wissen. Einen Lagerplatz für die Nacht, geben wir zurück.

Habt ihr Essen?

Ja, wir backen uns Bedubrot.

Bedubrot könnt ihr backen? Das glaube ich nicht. Ihr könnt in meinem Beduzelt nächtigen. 

Einladung
Einladung

Dafür backen wir aber gemeinsam Bedubrot. Ich möchte nämlich sehen, ob ihr das wirklich könnt, sagt unser Gastgeber. Wir willigen ein. Nur 500 Meter weiter steht sein altes Beduzelt.

Einladung ins Beduzelt
Einladung ins Beduzelt

Gi  knetet  sofort den Teig, lässt ihn etwas ziehen, formt die Brote meisterlich und legt sie ins Feuer.

Unser Gastgeber ist begeistert. Und wir sind begeistert von seinem alten Beduzelt.

2 Stunden erzählt er uns von den alten Zeiten. Wir sind uns schnell einig, die alten Zeiten hatten gute und auch schlechte Seiten. Wir sind uns aber auch schnell einig, auch die heutige Zeit ist nicht nur immer gut. 

Gespräche an der Kochstelle
Gespräche an der Kochstelle

Zum Schluss unserer interessanten Unterhaltung, macht er noch ein Foto vom Gi-Bedu-Brot. Er will es unbedingt seiner Familie zeigen.

Gi-Bedubrot
Gi-Bedubrot

Bevor wir am nächsten Tag von unserem Beduzelt auf Zeit, endgültig Abschied nehmen, atmen wir tief durch. Es war ein ganz besonderes Erlebnis. Hatten wir in den  Emirates nicht erwartet. Die Nacht im Beduzelt werden wir nie vergessen.

Nur wenige Stunden später sind wir in Al Ain. Wir suchen uns eine Unterkunft. Mit ausruhen ist nicht, denn die Laufradaufhängung von Toyota ist gebrochen. Schon zwei Tage schiebe ich  Toyota auf zwei Rädern. 

Die Halterung vom Laufrad ist gebrochen
Die Halterung vom Laufrad ist gebrochen

Ob wir eine Aluschweißwerkstatt finden, erzähle ich aber erst im nächsten Teil.

 

Rechts oben ist der nächste Teil einsehbar oder einfach Link folgen: Teil 5

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Gestohlene Freiheit - Unsere Zeit im  türkischen Gefängnis -
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Grenzenlos  -  Mit dem Fahrrad 4 Jahre um die Welt
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